Streit ums «Gemeinde-Fenster»

Linth24 - Zwei Gemeinden, ein Muster: Weder Eschenbach noch Amden wollen ein kostenpflichtiges Angebot des Newsportals nutzen – seither berichtet dieses nicht mehr über sie. Zu Eschenbach liegt eine ausführliche Stellungnahme der Gemeinde vor.

Auf linth24.ch sind zwei fast gleichlautende Hinweiskästen aufgeschaltet, einer an die «Eschenbacherinnen und Eschenbacher», einer an die «Ammlerin und den Ammler» gerichtet. Beide halten fest, der jeweilige Gemeinderat verzichte auf eine Zusammenarbeit mit Linth24, weshalb das Portal nicht mehr über die Gemeinde berichte – im Fall Eschenbach ausdrücklich auch nicht über Vereine und Gewerbe, im Fall Amden zusätzlich nicht über den Tourismus. Leserreaktionen könnten weiterhin per E-Mail an die Redaktion gesendet werden. Für Promo-Artikel wird auf eine kostenpflichtige Option verwiesen, Agenda-Einträge liessen sich weiterhin selbständig über die entsprechende Rubrik erfassen.

Auslöser ist ein sogenanntes Gemeinde-Fenster, in dem Linth24 bisher automatisiert Informationen von Gemeindewebsites übernahm – kostenlos und ohne Absprache. Neu verlangt das Portal dafür eine Gebühr. Eschenbach lehnte ab: Mit dem Mitteilungsblatt «Eschenbach aktuell», der eigenen Website und weiteren Kanälen verfüge man über etablierte, gut verankerte Kommunikationsmittel. Ein Mehrwert, der zusätzliche wiederkehrende Kosten rechtfertige, sei nicht ersichtlich gewesen, hiess es am Donnerstag auf eschenbach.ch.

Die Gemeinde betont, sie habe weder die Zusammenarbeit aufgekündigt noch verlangt, dass Linth24 nicht mehr berichte – auch der Entzug direkter Publikationsmöglichkeiten für vier Vereine gehe allein auf das Portal zurück. Ihre Informationen stelle sie weiterhin allen Medien gleichermassen zur Verfügung. Eine Verknüpfung von kommerziellem Angebot und redaktioneller Berichterstattung widerspreche ihrem Verständnis von unabhängiger Medienarbeit.

Wie Linth24 das Modell begründet

Auf linth24.ch wirbt das Portal an anderer Stelle allgemein für das Gemeinde-Fenster: mit den Vorteilen früher, proaktiver Kommunikation für Gemeinden – weniger Gerüchte und Unsicherheit, mehr Vertrauen und ein kompetenterer Auftritt gegenüber der Bevölkerung. Entwickelt habe der Medienverbund Portal24 das Angebot mit einer Kombination aus Web Scraping und künstlicher Intelligenz, die Gemeinde-Informationen automatisiert von den jeweiligen Websites übernimmt.

Bis Ende 2026 würden die Gemeinde-Fenster gemäss diesem Beitrag noch kostenlos betrieben, erst ab 1. Januar 2027 sollten sie und weitere redaktionelle Dienste nur noch jenen Gemeinden zur Verfügung stehen, die dafür bezahlen. Bei Eschenbach und Amden ist die Berichterstattung jedoch bereits jetzt eingestellt worden – mehrere Monate vor diesem angekündigten Stichtag. 

Linth24 gehört Bruno Hug, der 1981 die Obersee Nachrichten gründete und 1999 an die Somedia verkaufte. 2018 übernahm er Linth24 und baute mit der Portal24 AG ein Netzwerk von rund 17 Online-Portalen in der Ostschweiz auf. (cbe)