Streitgespräch zwischen Lebrument und Blumer

VSP - Differenzen, aber auch Gemeinsamkeiten unter den Verlegern.

Der Verband Schweizer Presse hinterliess in letzter Zeit alles andere als den Eindruck eines geeinten Verbands, bei dem alle Mitglieder am selben Strick ziehen. Sei es beim Postvertrieb oder zur Zusammensetzung beim Presserat, immer wieder geriet Präsident Hanspeter Lebrument an seine Verbandskollegen. Als grösster Gegenspieler Lebruments im VSP trat dabei immer wieder Guido Blumer auf, der die Interessen der kleinen Verleger vertritt. Lassen sich die unterschiedlichen Interessen der Verleger -- auf der einen Seite die grossen Medienhäuser, auf der anderen die KMU-Verlage -- heute überhaupt noch unter einen Hut bringen?

In einem Streitgespräch, das im Verbandsmagazin Flashextra publiziert wird, versuchen die beiden Streithähne Lebrument und Blumer einen gemeinsamen Nenner zu finden. Ein äussest schwieriges Unterfangen, wie sich etwa in der Frage des Postvertriebs zeigt. Auch wenn beide das Ziel verfolgen, einen möglichst günstigen Vertriebspreis ab 2008 zu erreichen, weichen die Positionen doch erheblich voneinander ab. "Die Politik muss den Service public in der Verteilung garantieren", findet Blumer und plädiert für eine fortgesetzte Unterstützung des Bundes.

Für eine rein marktwirtschaftliche Lösung votiert dagegen Präsident Lebrument. Er fürchtet, dass die Presse mit einer Subventionierung der Presse durch den Staat einen Leistungsauftrag erhält, den sie erfüllen muss. Ganz anders Blumer: Er stellt darauf ab, dass der Post die Aufgabe zukommt, in der ganzen Schweiz Zeitungen zu verteilen. "Es geht gar nicht darum die Presse zu subventionieren", so Blumer.

Einig sind sich Lebrument und Blumer darin, dass der Verband Schweizer Presse nicht zu einem Verband Schweizer Medien werden soll. Es sei wichtig, dass der Verband die Interessen des Prints vertritt, so Lebrument. Auch Blumer glaubt an die Zukunft des Prints: Man werde in einigen Jahren Zeitung so genüsslich und langsam lesen, wie man ein feines Essen zu sich nehme. Beide finden, dass Redaktion und Verlag nicht komplett getrennt werden können. Vor allem in KMU-Verlagen sei der Kontakt sehr eng, so Blumer. Das gemeinsame Problem von Verlegern und Journalisten sieht er jedoch im Werbemarkt. Der schreibe immer mehr vor, was er "mit unseren Produkten" tun will. Er will mit seinen "kreativen Mitteln den publizistischen Bereich besetzen". So komme der Druck auf die Journalisten nicht von den Verlegern, sondern von der PR- und Werbewirtschaft.