01.09.2026

Pseudo-Medien

Studie warnt vor «Pink Slime»

Die FH Graubünden untersucht das Phänomen und zeigt die Risiken für die demokratische Meinungsbildung und die lokale Öffentlichkeit auf.
Pseudo-Medien: Studie warnt vor «Pink Slime»
«Pink Slime»-Medien ahmen journalistische Formen nach, ohne journalistischen Qualitätsstandards, Transparenzpflichten oder redaktioneller Unabhängigkeit verpflichtet zu sein. (Bild: persoenlich.com/spo)

Ein Forschungsteam der Fachhochschule Graubünden hat sogenannte «Pink Slime»-Medien untersucht – Angebote, die journalistische Formen nachahmen, ohne journalistischen Qualitätsstandards, Transparenzpflichten oder redaktioneller Unabhängigkeit verpflichtet zu sein. Die Studie des Instituts für Multimedia Production zeigt Risiken für die demokratische Meinungsbildung und die lokale Öffentlichkeit auf.

Ulla Autenrieth, Forschungsleiterin am Institut für Multimedia Production und Projektleiterin, widerspricht in einer Mitteilung der Annahme, Pink Slime entstehe nur dort, wo lokaler Journalismus verschwunden sei. Die Forschenden wiesen entsprechende Angebote auch in urbanen und wirtschaftlich attraktiven Regionen nach. Die Untersuchung zeigt, dass Pink Slime zunehmend als eigenständiges Geschäftsmodell, als Instrument politischer Einflussnahme und als strategisches Kommunikationsinstrument genutzt wird. Die Verbreitung erfolgt über Printprodukte, Online-Portale, soziale Medien und zunehmend auch über KI-generierte Inhalte.

Als Beispiel nennt die Studie die Zeitungen des Verlags Schweizer Kombi, darunter Titel wie Züri Zeitung West oder Limmataler Woche. Diese verfügten zwar über ein Impressum. Gemäss den Angaben in den Impressen und den Mediadaten sollen bei Schweizer Kombi regelmässig gedruckte Ausgaben erscheinen, meist mittwochs und einmal pro Monat. Die Autorinnen und Autoren der Studie konnten jedoch nicht nachweisen, dass diese Printausgaben tatsächlich regelmässig erscheinen; auch die E-Paper-Ausgaben seien online nur zu unregelmässigen Erscheinungsdaten auffindbar. Auffällig sei auch, dass bei allen 113 Titeln der Grundgesamtheit die Namen der Impressen bis auf kleine Abweichungen gleichbleiben. Auf eine Anfrage von persoenlich.com für eine Stellungnahme hat Schweizer Kombi nicht geantwortet.

Grenzen zu Journalismus verwischt

Die Forschenden definieren Pink Slime als hybride Kommunikationsform zwischen Journalismus, Public Relations, Content-Marketing und politischer Kommunikation. Charakteristisch seien lokal wirkende Titel, intransparente Eigentums- und Finanzierungsstrukturen, fehlende journalistische Qualitätskontrollen sowie die gezielte Simulation journalistischer Glaubwürdigkeit. Für die Studie wurden Medienangebote aus der Schweiz und Deutschland analysiert. Die Ausprägungen reichen von kommerziell motivierten Lokalpublikationen bis zu politisch gefärbten Informationsangeboten.

Nach Einschätzung der Forschenden liegt die grösste Gefahr nicht in einzelnen problematischen Beiträgen, sondern in den langfristigen Auswirkungen auf die demokratische Informationsordnung. Johanna Burger, Forscherin am Institut für Multimedia Production, betont, Pink Slime könne die Grenzen zwischen Journalismus, Werbung, Public Relations und politischer Kommunikation verwischen sowie das Vertrauen in etablierte Medien untergraben. Die Einflussnahme erfolge häufig subtil, etwa durch eine langfristige Verschiebung von Themenprioritäten und Vertrauensstrukturen statt durch offene Desinformation.

Monitoring nötig

Die Studie empfiehlt unter anderem, den Lokaljournalismus als demokratische Infrastruktur zu stärken, Transparenzpflichten auszubauen, irreführende Nachahmungen journalistischer Angebote regulatorisch zu adressieren sowie Medienkompetenz und Forschung zur Medienlandschaft weiterzuentwickeln. Zudem schlagen die Forschenden Monitoring- und Frühwarnsysteme vor. Die Studie kommt zum Schluss, dass die Schweiz trotz bislang geringem Problembewusstsein noch die Möglichkeit habe, frühzeitig auf die Verbreitung solcher Angebote zu reagieren.


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