Stv. NZZ-Chefredaktor entschuldigt sich nach Scharmützel

Woz - Aussage des Giardino-Präsidenten zum "Erschiessen des Bundesrats" war nicht erfunden.

In der aktuellen WOZ, die gestern Donnerstag erschienen ist, berichtet Dominik Gross über einen Anlass der Armee, der unter dem Namen "6th Convoy to Remember" durchgeführt wurde. Der Journalist schaute sich dafür auf dem Festgelände um und erläuterte seine Erlebnisse im Artikel "Mobilmachung in der Aargauer Kiesgrube". Darin zitiert er auch Hermann Suter, Präsident der Gruppe Giardino, die sich für die Milizarmee und die Schweizer Wehrkultur einsetzt. Suter liess gegenüber Gross seinem Ärger über Bundesbern freien Lauf und meinte: "Sie haben unsere Armee geschlissen. Was die dort oben machen, ist in der Nähe des Verrats. Ich stehe dazu: Diese Bundesräte sollte man alle erschiessen – mit Ausnahme von Ueli Maurer."

René Zeller schreibt von "unterirdischem Schwachsinn"
Der NZZ-Journalist und stv. Chefredaktor René Zeller empörte sich über "den unterirdischen Schwachsinn", den Suter von sich gegeben habe beziehungsweise über das Zitieren davon in der WOZ. Er fragte bei Suter nach und fand heraus: "Ich habe das so nicht gesagt. Schon gar nicht gegenüber der WOZ." In einem Artikel vom Donnerstag fragt Zeller: "Wie aber kommt besagte Zeitung dazu, dem streitbaren Giardino-Präsidenten besagte Ungeheuerlichkeiten in den Mund zu legen?". Er wirft dem WOZ-Autor vor, seine journalistischen Sorgfaltspflichten missachtet, ja, "schnöd beiseite" geschoben zu haben. Der "Blödsinn" hätte nicht zitiert werden dürfen und der Schreiberling hätte nachfragen müssen.

Transkribt belegt Aussage über "Verschiessen"
Auf diese Vorwürfe reagierte die WOZ noch am selben Tag mit einem Transkript und einer Tonaufnahme von Suters Aussage. Darin ist Suters Aussage zum "Verschiessen des Bundesrates" im Originalton zu vernehmen. Zudem schreibt die linksalternative Zeitung, dass Suter durchaus gewusst habe, "dass er mit der WOZ spricht." Zeller fragt die Zeitung zudem direkt zurück, wieso er selber es unterlassen hätte, den Autoren des Artikels zu konfrontieren, "obwohl dies problemlos möglich gewesen wäre".

Die Antwort Zellers liess nicht lange auf sich warten. Via Twitter (vgl. Titelbild) entschuldigte sich der Journalist wie folgt: "Mea culpa. Ich war tatsächlich unsorgfältig. Unverändert gilt: Die Aussage des Giardino-Präsidenten ist unterirdisch."

Gruppe Gardino beklagt, die Zitate seien nicht autorisiert
Die Gruppe Gardino legte am Wochenende auf der Webseite ihre Sicht der Dinge dar. Hermann Suter habe gesagt: "mit Ausnahme von Maurer sollte man die alle mit heissem Käse verschiessen”. Diese Formulierung sei eine in der Innerschweiz am Stammtisch gebräuchliche Redewendung, analog zu “ins Pfefferland wünschen“. "Der Teil 'mit heissem Käse' ist deutlich hörbar, wird aber zur Zuspitzung bewusst von der WOZ weggelassen. Damit wird die Aussage verzerrt wiedergegeben und gewinnt medial an Brisanz", so die Gruppe Gardino. Sie beklagt zudem, der WOZ-Journalist habe die Audio-Aufnahme ohne Wissen der am Stammtisch Anwesenden erstellt. Suter seien die Zitate nie zur Freigabe vorgelegt. "Damit wurden elementare Regeln des Journalismus verletzt." (lf/eh/Bild: Screenshot Twitter)