Supino fordert runden Tisch für Medienkompetenz

Dreikönigstagung 2018 - In seiner Neujahrsrede sprach Verlegerpräsident Pietro Supino für einmal nicht über die SRG, sondern über Bildung. Medienkompetenz soll die höchste medienpolitische Priorität erhalten, forderte er. Medienschaffende aus der Praxis könnten als Lehrer wirken.

von Michèle Widmer

Traditionsgemäss kamen die Verleger am Dienstag zur Dreikönigstagung zusammen. Zu Beginn des Tages hatte wie immer der Verlegerpräsident das Wort. In einer ausführlichen Rede sprach Pietro Supino vor den Mitgliedern für einmal nicht über die SRG und ihre Übermacht, sondern über Bildung. «Wir sollten uns darüber einig sein, dass Medienkompetenz eine absolute medienpolitische Priorität hat», sagte er vor den Anwesenden im Eventsaal Aura in Zürich.

In einer freien und aufgeklärten Gesellschaft sollte die Bevölkerung das Medienangebot bestimmen – durch ihre bewusste Wahl und ihre Mediennutzung. Das sei besser, als wenn übergeordnete Instanzen über das richtige Angebot entscheiden. Dies setze allerdings voraus, dass Menschen über Grundkenntnisse verfügen, wie Medien funktionieren, damit sie Qualität erkennen und bewusst und freie Entscheidungen treffen könnten.

Rolle der Medien in der Meinungsbildung

Nachfolgend führte Supino detailliert aus, was er mit «Medienkompetenz» meint. Er spreche nicht vom Umgang von Jugendlichen mit neuen Medien oder dem Internet. «Es geht um die Rolle der Medien in der politischen Meinungsbildung», fügte er an. Voraussetzung für Medienkompetenz sei Interesse am politischen System, dem Mediensystem sowie der gegenseitigen Wechselwirkung.

Dieses Interesse zu wecken und zu kultivieren sei genauso Aufgabe der Medien, wie der Erziehung und der Schulen. Zudem ginge es darum, zu verstehen, welche unterschiedlichen Quellen es im Medienangebot gebe, wie die entstehen würden und welchen Mehrwert sie bieten könnten.

Medienschaffende sollen unterrichten

Der Verlegerpräsident brachte einen konkreten Vorschlag auf den Tisch: «Medienkompetenz sollte zusammen mit Medienschaffenden aus der Praxis unterrichtet werden», sagte Supino. Die Schüler sollten so viele Medienhäuser wie möglich besuchen. Er fügte an: «Unsere Türen stehen offen und ich kann mir gut vorstellen, Journalistinnen und Journalisten dafür zur Verfügung zu stellen.»

Zum Schluss forderte Supino, der Medienkompetenz «die höchste medienpolitische Priorität einzuräumen und einen runden Tisch zu bilden, um ihr gemeinsam den angemessenen Stellenwert zu geben». Die Kosten für die Lehrerausbildung, die Lehrmittel und das aktive Rahmenprogramm wären im Vergleich zu anderen diskutierten Förderprogrammen sehr gut investiertes Geld.

Zudem erwähnte Supino die Wichtigkeit von Aus- und Weiterbildung von Journalisten sowie Investitionen in die Forschung auf dem Bereich Medientechnologie. «Wenn etablierte Prozesse und Geschäftsmodelle grundsätzlich hinterfragt werden müssen, ist ein solides Savoir-faire und gut ausgebildete Mitarbeiter umso wichtiger», sagte er.