SF-Ombudsmann Achille Casanova hat die Beanstandung von SVP-Generalsekretär Gregor Rutz gegen den "Zischtigsclub" vom 1. Mai über den Krach in der SP abgelehnt. Das Sachgerechtigkeitsgebot sei nicht verletzt worden, findet Casanova, wie "persoenlich.com" erfahren hat. Die Diskussion habe sich nicht mit der Haltung der SP zu aktuellen Fragen befasst, sondern die Krise der Partei thematisiert. "Die Art und Weise, wie dies im 'Club' geschehen ist, hat meines Erachtens dem Publikum klar ermöglicht, sich eine eigene Meinung zu bilden."
SF hatte in der Sendung -- neben Politbeobachter Iwan Rickenbacher -- nur aktive und ehemalige SP-Leute und Gewerkschafter verschiedener Tendenz eingeladen, in der Absicht, dass diese ihre internen Richtungskämpfe vor der Kamera austrügen. Bei der SVP löste die Zusammensetzung der Studiogäste einen Sturm der Entrüstung aus. Ihrer Auffassung gemäss hat die SP im "Club" "ihre Probleme ausdiskutieren und ihr Parteiprogramm ausbreiten dürfen".
Casanova schreibt in seiner Antwort an Rutz, er habe zunächst auch den Eindruck gehabt, die Gästeliste sei extrem einseitig: "Wie kann bei einer solchen einseitigen Zusammensetzung eine echte Diskussion entstehen, habe ich mich gefragt." Aber nach dem Visionieren der Sendung habe er seine Meinung grundlegend geändert: "Erst die einseitige Zusammensetzung der Diskussionsrunde hat eine sehr interessante Auseinandersetzung über die internen Probleme der SP ermöglicht."
Der Verzicht auf Vertreter anderer Parteien habe es möglich gemacht, die internen Spannungen und die grundlegenden Meinungsverschiedenheiten innerhalb der SP offen und kontrovers zu diskutieren. Für ihn, Casanova, habe es sich deshalb "insgesamt um eine sehr interessante und auch besonders gut gelungene"Ausgabe des Club gehandelt.
Laut einem Bericht der SonntagsZeitung ist die SVP davon unbesehen nachhaltig verstimmt über das Schweizer Fernsehen. Vergangene Woche boykottierte sie ein Treffen, an welchem die SRG die Parteispitzen über Spielregeln und Sendungen im Wahljahr orientierte.