SVP macht Quote, SP floppt

"Schawinski" - Was SRF zu den volatilen Marktanteilen meint.

Die im August lancierte Talk-Sendung Schawinski - jeweils am späten Montagabend im Schweizer Fernsehen - kommt offensichtlich noch nicht ganz auf Touren. Ein Blick auf die Quoten und Marktanteile zeigt, dass vorallem die Auswahl der Gäste über das Zuschauerinteresse entscheidet.

Analysiert man die Marktanteile der bisherigen elf Sendungen, wird deutlich, dass lediglich diejenigen mit SVP-Exponenten wirklich überzeugten: Beim Gespräch mit Parteipräsident Toni Brunner lag der Marktanteil bei 22,5 Prozent (persoenlich.com berichtete), in demjenigen mit Nationalrat Christoph Mörgeli bei 23.6 Prozent. Ansonsten kamen die Werte nicht über die 20-Prozent-Marke hinaus, meist lagen sie sogar deutlich darunter. Am wenigsten Zuschauer erreichte die Sendung mit Alt-Nationalrat Jean Ziegler, welche einen Marktanteil von 12,7 Prozent erzielte. Auch der Talk mit dem Aargauer SP-Nationalratskandidaten Cédric Wermuth erreichte nur 13,9 Prozent. Über alle elf Sendungen hinweg, ergibt sich somit ein durchschnittlicher Marktanteil von 17.5 Prozent.

Woran liegt dieses durchzogene Zuschauerinteresse? Sind es die Gästeauswahl, der späte Sendeplatz, das Konzept oder der konfrontative Moderationsstil von Talkmaster Roger Schawinski? Für SRF-TV-Chefredaktor Djego Yanez liegt es an der Platzierung der Sendung: "Der späte Sendeplatz um 22.55 ist kein einfacher Sendplatz", sagt er gegenüber persoenlich.com. Yanez zeigt sich mit dem aktuellen Stand zufrieden: "Die Sendung ist mit Marktanteilen zwischen 14 und 24 Prozent gut gestartet. Mehr zu erwarten, wäre naiv gewesen". Den Grund für die volatilen Marktanteile sieht er in der Gästeauswahl: "Klar ist, dass der Erfolg der einzelnen Sendung auch vom Gast abhängt."

Schwerpunkt Relevanz

Was unternehmen nun die Verantwortlichen, um der Sendung zu höheren Marktanteilen zu verhelfen? Vorerst nichts. Man gibt sich zufrieden mit dem Status Quo, will der Sendung Zeit geben, sich zu etablieren. Roger Schawinski selber hat auch keine Anpassungen geplant, weder im Konzept noch in seiner Interviewtechnik. Schawinski betont, dass er nicht wie früher im Privatfernsehen die höchstmögliche Quote erreichen will: "Beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen ist Relevanz ein wichtiges Stichwort. Deshalb lade ich nicht in erster Linie potentielle Quoten-Stars ein, sondern Gäste, die zu den wichtigen Themen bedeutende Argumente einbringen können." Vergleichbare Sendungen in Deutschland, wie beispielsweise diejenige mit Sandra Maischberger oder Günther Jauch, erzielten sogar tiefere Marktanteile.

Sendung für Opinionleaders

Die Sendung sei zwar nicht gerade für ein elitäres Publikum konzipiert, aber doch recht anspruchsvoll im Inhalt und im Tempo, sagt Schawinski. Opinionleaders würden "Schawinski" regelmässig schauen, wie er täglich erfahre. Er sei sehr angetan von der Resonanz und auch davon, dass der neuartige Diskussionsstil im Rahmen einer SRG-Sendung immer besser ankomme. Der bekannte Talker hat sich zum Ziel gesetzt, dass seine Sendung zu einer "Must-see-Sendung" wird. Dies sagte er im September (persoenlich.com berichtete). Ein solches Ziel sei aber nicht innert weniger Tage zu erreichen, dies könne Jahre dauern. (eh)