«Tagesschau» neu auch in einfacher Sprache

Deutschland - Deutschlands beliebteste Nachrichtensendung gibt es nun auch in einer abgewandelten Fassung. Bei Schweizer Radio und Fernsehen heisst es, dass Barrierefreiheit und Inklusion wichtige Themen seien. Ganz so weit wie die deutsche «Tagesschau» geht SRF momentan allerdings nicht.

Die «Tagesschau» in Deutschland gibt es ab sofort auch in einfacher Sprache. «Es ist bundesweit das erste tagesaktuelle Fernsehnachrichtenangebot dieser Art», teilte der Norddeutsche Rundfunk am Mittwoch mit. Aus den rund ein Dutzend Beiträgen der gewohnten News werden dafür etwa vier Themen herausgegriffen und völlig anders aufbereitet: keine Fremdwörter, kaum Nebensätze, wenige Silben, kurze Aussagen. Die Moderatorinnen und Moderatoren sprechen in der täglichen Spezialausgabe zudem langsamer.

«Dieses Zusatzangebot der ‹Tagesschau› richtet sich an Menschen mit Lese-, Lern- und/oder Hörschwierigkeiten, an Menschen mit geringen Deutschkenntnissen oder an Menschen, die sich zum Beispiel nach einem anstrengenden Arbeitstag kurz und einfach informieren wollen», erläuterte der NDR. Begleitet wird das Projekt von der Universität Hildesheim.

«Wir haben festgestellt, dass wir in Deutschland etwa 17 Millionen Erwachsene haben, die weder richtig lesen noch schreiben können», teilte der Erste Chefredaktor von ARD-aktuell, Marcus Bornheim, der Nachrichtenagentur dpa mit. Allen Menschen ein seriöses Nachrichtenangebot zu machen, sei der öffentlich-rechtliche Auftrag.

Die Zielgruppe sei sehr vielfältig, so Bornheim: «Menschen, die kognitive Probleme haben, komplizierte Inhalte und Texte zu verstehen. Dann haben wir natürlich viele Menschen, die aufgrund von Krankheiten – Schlaganfällen zum Beispiel – Probleme haben, Nachrichten wirklich zu verstehen und sie nachzuvollziehen. Immer grösser wird auch der Anteil derjenigen in Deutschland, die Deutsch nicht als Muttersprache gelernt haben, also eine Migrationsgeschichte mitbringen. Und für all diese Gruppen wollen wir eine ‹Tagesschau› in einfacher Sprache anbieten.»

Thema für SRF «sehr wichtig»

Das Konzept der «Leichten Sprache», also stark vereinfachte Sätze oder der Verzicht auf Fremdwörter, setze Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) in dieser Form aktuell zwar noch nicht durchgehend um, heisst es am Mittwoch auf Anfrage. «Jedoch ist das Thema im Redaktionsalltag sehr wichtig. Wir verstehen es als unsere Kernaufgabe, komplexe Sachverhalte in einfacher verständlicher Sprache zu erzählen», schreibt die Medienstelle. «Das gelingt leider nicht immer, aber wir unternehmen laufend Anstrengungen, besser darin zu werden.»

Wie wichtig SRF das Thema ist, zeige zum Beispiel, dass die Publikation «Texten für Web und App» entwickelt worden sei. Die Kernbotschaft des Leitfadens sei es, einfach und verständlich zu schreiben, sprich kurze Sätze, keine Fremdwörter und so weiter. «Die Journalistinnen und Journalisten im Newsroom sind angehalten, Texte nach diesem zu diesem Zweck konzipierten Dokument zu verfassen», so SRF gegenüber persoenlich.com. Ähnlich wie bei der «Leichten Sprache» sei das Ziel, komplexe Sachverhalte in einfacher und verständlicher Sprache darzustellen. Das gelte auch für die Nachrichtensendungen und Info-Magazine in Radio und TV.

Wie die Medienstelle weiter festhält, seien Barrierefreiheit und Inklusion für SRF sehr wichtige und zentrale Themen. SRF erstelle «ein vielfältiges und stetig wachsendes barrierefreies Angebot», von Fernsehsendungen mit Untertiteln oder in Gebärdensprache über ausgesuchte Spiel- und Dokumentarfilme als Hörfilme mit Audiodeskription bis hin zu barrierefreien Internetseiten. Seit Kurzem bietet SRF zudem ein vollständig live gebärdetes Vorabendprogramm an (persoenlich.com berichtete). (cbe/sda/dpa)