Am Samstag hat die Bundeshausfraktion der SP die Kandidaten für die Bundesratswahl Mitte Dezember bekannt gegeben. Dass Daniel Jositsch, so kurz nach seiner Wiederwahl in den Ständerat, nicht aufs Ticket gesetzt wurde, war tags darauf in vielen Medien ein Thema.
Nun äussert sich Tamedia-Inlandredaktor Philipp Loser kritisch über die mediale Berichterstattung. In seinem Fokus: die fehlende Medienvielfalt. Im Kommentar mit dem Titel «Daniel Jositsch – ein Zürcher Märtyrer» schreibt er: «Was es heisst, wenn die wichtigsten Schweizer Medien alle aus einer einzigen Stadt kommen, hat man diesen Sonntag eindrücklich gesehen (und das leider nicht zum ersten Mal).» Nachdem Jositsch nicht auf das Ticket gewählt worden sei, hätten die Zürcher Medien in einer Art und Weise aufgejault, die fast schon erstaunlich provinziell sei.
Er bezeichnet Jositsch als Musterbeispiel für eine «wechselseitige Projektion». Die Medien hätten ihm seit Jahren eine fast schon übermenschliche Kompetenz zugeschrieben. Dieses Hochschreiben habe erstens in überdurchschnittlichen Wahlresultaten und Umfrageergebnissen gemündet – woraus die Medien dann wieder die exzellenten Fähigkeiten von Jositsch abgeleitet hätten.
Jositsch machte sich vor einem Jahr in der eigenen Partei unbeliebt, weil er seine Kandidatur für die Nachfolge von Simonetta Sommaruga durchbrachte, obwohl sich diese für ein Frauenticket entschieden hatte. Dass die meisten Kommentatoren die Demütigung von Jositsch am Samstag «kausal und ausschliesslich auf die Episode vor einem Jahr zurückführen», ist für Loser «erstaunlich». Wer das Gefühl habe, das sei der Grund für die mickrigen vier Stimmen, die Jositsch bei der Auswahl der Berset-Nachfolger in seiner eigenen Fraktion gemacht hat, der habe noch nie in seinem Leben mit einem SP-Parlamentarier gesprochen. (wid)