Vom Preisträger zum Verurteilten: Maurice Thiriet, Inlandredaktor des "Tages-Anzeigers" ist am Mittwochnachmittag vom Bezirksgericht Zürich in der Causa Burtscher schuldig gesprochen worden. Die Physikerin war in einem Artikel als "eingebildete Astronautin" und "Hochstaplerin" bezeichnet worden.
Der Urteilsverkündung war eine von Shakespeare-Zitaten und spitzen Bemerkungen garnierte Verhandlung vorangegangen. Beide Seiten bemühten sich um eine eigene Definition des Begriffes "Hochstaplerin". In einem langen Plädoyer versuchte Thiriets Anwalt darzulegen, dass sich Burtscher in den Medien immer wieder zu Unrecht mit Mond- und Marsmissionen der NASA in Verbindung gebracht habe und den Eindruck erweckt habe, sie sei von der amerikanischen Raumfahrtbehörde angestellt. Es gelang ihm nicht.
Das Gericht kam unter Berufung auf verschiedene Bundesgerichtsentscheide seit den 50er Jahren zum Schluss, die Bezeichnung "Hochstaplerin" sei ein ehrrühriger Begriff aus der Gaunersprache, dem etwas Negatives anhafte. Auch die Gesamtaussage des Artikels von Thiriet, für den er 2011 unter anderem mit dem Zürcher Journalistenpreis ausgezeichnet worden war, verletze Ruf und Gefühl der Angeklagten.
Der zweite Anklagepunkt, bei dem es um den Titel des Artikels im "Tages-Anzeiger" ging, wurde vom Urteil ausgeschlossen. Thiriet hatte in der Einvernahme zu Protokoll gegeben, die Bezeichnung "eingebildete Astronautin" stamme nicht von ihm und hatte vom Recht auf Aussageverweigerung bezüglich der Autorenschaft Gebrauch gemacht.
Thiriet wurde nun dazu verurteilt, 75 Tagessätze à 90 Franken und die Prozesskosten in Höhe von 4000 Franken zu entrichten sowie die Gegenseite mit 7500 Franken zu entschädigen. Sein Anwalt kündigte an, Berufung einzulegen.
Text: Adrian Schräder