Theodor Gut, VR-Präsident Zürichsee Medien AG:
"Es ist keine grosse Überraschung, dass der Tages-Anzeiger neue Regionalausgaben plant. Tamedia hat immer gesagt, ein Split alleine macht keinen Sinn. Es handelt sich also um eine konsequente Weiterführung der von Tamedia gewählten Strategie mit Regionalsplits. Interessant ist, dass sich mit der genannten Anzahl von fünf neuen Regionalredaktionen die Grössenordnung der Regionalstrategie des Tages-Anzeigers abschätzen lässt. Auch wenn Peter Hartmeier etwas anderes sagt, beabsichtigt die Tamedia damit einen Verdrängungswettbewerb."
Christine Fivian, Chefredaktorin Zürcher Unterländer:
"Wir haben die ganze Regionalsplit-Geschichte am linken Zürichsee-Ufer verfolgt. Dabei haben wir festgestellt, dass wir uns nicht allzu sehr ins Bockshorn jagen lassen müssen. Der Zürcher Unterländer ist gut positioniert. Ich gehe davon aus, dass der Tages-Anzeiger einzelne Leute bei uns abwerben möchte. Das gehört zum Geschäft. Ein bisschen Konkurrenz schadet in der Regel aber nicht. Ich habe auf jeden Fall kein Bauchweh. Der Tages-Anzeiger muss etwas machen, da er sich in einem engen Korsett befindet. Offenbar hat Tamedia ihre Regionalstrategie noch nicht ganz gefunden. Mit den neuen Regionalausgaben startet man nun ganz klar einen Angriff auf die Regionalzeitungen, alles andere ist Schönrederei."
Christoph Vollenweider, Chefredaktor Zürcher Oberländer:
"Die Pläne der Tamedia stellen für uns keine Überraschung dar. Sie sind die Umsetzung der seit längerem angekündigten Strategie. Es hätte auch keinen Sinn gemacht, nur eine einzige Regionalausgabe herauszugeben. Wir rechnen natürlich damit, dass die Tamedia auch im Einzugsgebiet unserer beiden Titel tätig werden wird. Wenn Peter Hartmeier beteuert, dass die Tamedia mit den Regionalausgaben die Regionalzeitungen nicht angreifen will, so tönt das ziemlich seltsam. Natürlich wird mit dieser Strategie ein Verdrängungswettkampf lanciert. Das Ziel ist die Marginalisierung oder Verdrängung der Regionalzeitungen."
Rudolf Gerber, Chefredaktor Der Landbote:
"Die Pläne von Tamedia sind beste Werbung für die Bedeutung der Regionalpresse und eine Bestätigung ihrer Chancen auf dem Lesermarkt der Zukunft. Der Landbote und mit ihm andere gut gemachte Regionaltitel pflegen seit langem ihre Nähe zu den Bedürfnissen ihrer Leserschaft in klar definierten Verbreitungsgebieten und ihre Tiefe der Information über kommunale Themen, die der TA erst sucht. Das Ziel aller Tageszeitungen ist Wachstum und grössere Resistenz gegenüber der Gratispresse und neuen Gewohnheiten der Informationsaufnahme über elektronische Medien. Im gesättigten Markt der Kaufzeitungen mit Tendenzen der Abwanderung in neue Medien bedeutet dies letztlich nichts anderes als Verdrängung durch verschärften Wettbewerb, worin sich der Bessere durchsetzen wird. Konkurrenz fördert die Qualität und die Innovation auch im Journalismus. Dabei bleiben wir auch mit dem im September strukturell und gestalterisch völlig erneuerten Landboten, wenn sich neue Herausforderungen ergeben."
Peter Wanner, Verleger AZ Medien Gruppe:
"Die Regionalpläne des Tages-Anzeiger sind noch zu wenig konkret, um beurteilen zu können, was diese für Auswirkungen auf die Mittelland Zeitung haben könnten. Es ist noch sehr vage, ob diese Regionalausgaben tatsächlich kommen und welche Gebiete sie abdecken werden. Dass ein Verdrängungswettbewerb stattfindet, ist jedoch offensichtlich. Es gibt zu wenig Werbegelder, um zwei Regionalzeitungen für das gleiche Gebiet zu refinanzieren. Tritt der Tages-Anzeiger in den Wettbewerb mit den Regionalzeitungen im Raum Zürich ein, ist dies nicht nur ein fürchterliches Gemurkse, es verdient auch niemand mehr Geld, weder der Tages-Anzeiger mit seinen Regionalausgaben noch die NZZ mit ihren Regionalzeitungen. Das macht auf Dauer keinen Sinn."