Die Ankündigung der Tamedia, im Dezember eigens eine Mittelland-Ausgabe der neuen Pendlerzeitung "News" zu lancieren, wird im Aargau als Kriegserklärung verstanden. "Dass ein derart grosser Teil der Auflage ins Mittelland transportiert wird, unterstreicht die Absicht der Tamedia, dass die Mittelland Zeitung geschädigt werden soll", wettert AZ-Verleger Peter Wanner am Freitagnachmittag auf Anfrage von "persoenlich.com". Er will dem Treiben des Zürcher Medienhauses keinesfalls tatenlos zusehen.
Wie die AZ Medien Gruppe auf den Angriff der Tamedia reagieren will, werde derzeit intensiv diskutiert. Wanner: "Unsere Ideen sind schon weit gediehen und warten auf eine baldige Konkretisierung". Er will nächstens mit den Partnern der Mittelland Zeitung über die geeigneten Schritte Gespräche führen.
Wanner wirft der Tamedia vor, gegen ein Gentlemens Agreement zu verstossen. Die Abmachung sah laut Wanner vor, dass der Tages-Anzeiger nicht in den Aargau kommt, im Gegenzug hält sich die Mittelland Zeitung vom Raum Zürich fern. Dass Tamedia nun mit "News" in die Region Aargau vorstösst, versteht Wanner deshalb als eine Kriegserklärung.
Von der Existenz eines Nicht-Angriffspakts mit der AZ Medien Gruppe weiss man in Zürich dagegen nichts. Tamedia-Sprecher Christoph Zimmer: "Zwischen Tamedia und AZ Medien Gruppe hat nie ein Gentlemens Agreement bestanden und es gibt auch heute keins", betont er auf Anfrage von "persoenlich.com".
Aus der Sicht Zimmers ändert die Lancierung von "News" ohnehin nichts Grundlegendes an der bestehenden Konkurrenzsituation: "Der Mittelland-Zeitungsverbund verlegt in allen drei Regionen, in welchen die drei Verlage von Basler Zeitung, Berner Zeitung und Tages-Anzeiger aktiv sind, eine Tageszeitung: In Basel die 'Basellandschaftliche Zeitung', in Bern die 'Berner Rundschau' und im Raum Zürich die 'Limmattaler Zeitung'. Überdies liegt auch 'Sonntag' national auf. Es kann deshalb keine Rede davon sein, dass es zwischen der Tamedia und der AZ Mediengruppe keinen Wettbewerb gibt." .
Wanner steht mit der Lancierung eines allfälligen Konkurrenzprodukts zu "News" unter Zeitdruck. Er will voraussichtlich bis Ende Jahr zusammen mit den Partnerverlagen entscheiden, wie die Reaktion auf die Invasion von "News" aussieht. Ein eigenes Konkurrenzprodukt könnte die AZ Medien Gruppe laut Wanner frühestens im Frühling oder Herbst 2008 lancieren. (Text: David Vonplon)