"Tamedia konnte ’ZürichseeZeitung’ nicht verdrängen"

Theodor Gut - Interview zu Tamedia und seiner Zukunft als Verleger.

Herr Gut, was hat dazu geführt, dass das Klima zwischen Ihnen und Tamedia wieder besser ist?

In den letzten vier Jahren ist ein gegenseitiger Respekt entstanden für die jeweils andere Aufgabe des "Tages-Anzeigers" einerseits und der "ZürichseeZeitung" (ZSZ) andrerseits. Insbesondere sah Tamedia ein, dass sie die ZSZ nicht verdrängen kann. Das führte zu einem gewissen Respekt, der uns erlaubte, die Gespräche zu führen.

Sie haben nun als kleiner Verlag am südlichen Teil des Grossraums Zürich eine medienpolitische Veränderung ausgelöst, die bis in den Thurgau und St. Gallen hinauf reicht. Waren Sie sich dessen bewusst, als Sie das Bieterverfahren starteten?

Überhaupt nicht (lacht). Man darf unsere Rolle auch nicht überbewerten. Wir sind sicher etwas mitbeteiligt, dass diese Diskussion nun mit einer gewissen Dringlichkeit geführt wurde. Aber diese Veränderungen waren nie unsere Absicht. Wir wollten herausfinden, welche Lösung für die ZSZ überhaupt bestehen, und dann die beste auszuwählen. Dass die Sache nun eine derartige Dimension erhielt, ist erstaunlich, auch für mich, aber natürlich schön, weil die ZSZ nun gut untergebracht ist.

Es hiess, der Zeitungstausch werde wirtschaftlich vorteilhafter sein für die verschiedenen beteiligten Zeitungen. Können Sie dies aus Sicht der ZSZ konkretisieren?

Ein Vorteil ist sicher, dass Tamedia nun die Möglichkeit hat, gewisse Doppel- oder gar Dreifachtätigkeiten abzubauen. Man muss nicht an drei Orten genau dasselbe machen, es reicht, wenn man es an einem Ort für alle macht. Diese Möglichkeiten hatten wir vorher nicht. Tamedia ist nun durch die vollständige Übernahme der ZSZ und des "Zürcher Unterländers" in der Lage, Synergien für diese beiden Titel zu suchen. Und bestimmt wird sie mit dem "Zürcher Oberländer" früher oder später ebenfalls einen Weg finden, denn die wirtschaftlichen Vorteile sind derart gross.

Haben Sie sich ausbedungen, wie lange die ZSZ und damit auch die "Zürcher LandZeitungen" unter Tamedia-Ägide bestehen bleiben müssen?

Nein, sondern Tamedia und wir sind absout derselben Überzeugung, dass eine Zeitung wie die ZSZ eine Funktion hat und auch haben wird, die man durch den "Tages-Anzeiger" nicht eins zu eins ersetzen kann. Sondern dass es im Gegenteil Sinn macht, die beiden Zeitungssysteme auf lange Zeit parallel weiter zu führen, jedenfalls wenn man den Leser- und Inseratemarkt gut abdecken will.

Und wie lange bleiben Sie Verleger bei der ZSZ?

Wir haben eine Abmachung, dass ich noch rund eineinhalb Jahre bleibe. Sollten wir aber vorher zur Auffassung kommen, dass der Übergang gut verlief, kann ich auch vorher zurücktreten.

Sie werden dann die Zürichsee Medien AG weiterführen. Was bleibt dort nach dem Verkauf der ZSZ eigentlich drin?

Das ist zum einen "Radio Zürisee" mit der Zürichsee Webe AG, dann ein Vorstufenbetrieb namens Zürichsee-Druckereien und die Kretz AG, ein Inseratevermittler für Fachzeitschriften. Diese drei Bereiche erwirtschaften zusammen einen Umsatz von etwa 35 Millionen Franken und bleiben in der Zürichsee Medien AG. Die Zürichsee Presse AG, also die Verlagsgesellschaft der ZSZ, die wir jetzt verkaufen, kommt auf etwa 25 Millionen Franken.

(Interview: Markus Knöpfli)