Grosse Überraschung: Noch vor rund einem halben Jahr zeigte man sich an der Werdstrasse zuversichtlich: "Wir könnten uns vorstellen, dass scoup.ch für unsere Medien eine interessante zusätzliche Plattform für die Abo-Promotionen sein könnte", erklärte die Tamedia-Medienstelle damals. Ob der damaligen Zuversicht und dem begeisterten Engagement bei der Lancierung im August 2011 erstaunt, dass Tamedia das breit angekündigte Projekt jetzt schon wieder beerdigt.
Es sei nicht überraschend, dass eine neue Plattform nach sechs Monaten noch keine schwarzen Zahlen schreibe, sagt Tamedia-Sprecher Christoph Zimmer. Bei scoup.ch habe man aber akzeptieren müssen, dass es keinen Sinn mache, das Unternehmen weiterzuführen. Doch warum gibt Tamedia schon nach so kurzer Zeit auf und was passiert mit den 37 Mitarbeitenden? Persoenlich.com hat Christoph Zimmer befragt:
Herr Zimmer, warum gibt Tamedia so rasch auf?
Die Geschäftsentwicklung von scoup.ch liegt klar unter den Erwartungen. Zudem ist beim Umsatz keine deutliche Wachstumstendenz erkennbar. Die negativen Zukunftsaussichten angesichts des dynamischen Wettbewerbs unter den Aktionsplattformen führte die Partner FashionFriends und Tamedia zum Entscheid, scoup.ch einzustellen.
War die Lancierung von Scoup ein Schnellschuss als Reaktion auf Ringiers Beteiligung an DeinDeal?
Nein. Der Aufbau von scoup.ch erfolgte gezielt und nach einer längeren Planungsphase. Es war aber von Beginn an klar, dass sich in diesem Wettbewerb nicht alle Anbieter durchsetzen werden. Wir haben es gemeinsam mit unseren Partnern bei FashionFriends versucht, waren jedoch nicht erfolgreich. Ein Einstieg in unbekannte Geschäftsfelder ist immer mit hohen Risiken verbunden.
Hätte es sich nicht gelohnt, mit dem Entscheid noch etwas zu zuwarten und der Plattform eine Chance zu geben?
Schwarze Zahlen nach einem halben Jahr wird ein Startup wie scoup.ch natürlich nie erreichen. Das war auch gar nicht das Ziel. Entscheidend ist die Entwicklung, und die blieb hinter den Erwartungen zurück. Wir sind deshalb gemeinsam mit FashionFriends zum Schluss gekommen, dass sich weitere Investitionen nicht rechtfertigen lassen.
Vom Entscheid sind 37 Mitarbeitende betroffen. Sie sprechen davon, diese teils intern weiter zu beschäftigen. Welche Stellen bietet Tamedia an?
Wir bauen bei verschiedenen digitalen Plattformen aus, ich denke da beispielsweise an search.ch oder FashionsFriends. Heute haben bereits erste Gespräche stattgefunden, bis Ende März sollen diese Gespräche nun konkretisiert werden. scoup.ch verfügte über ein sehr motiviertes Team, deshalb sind wir zuversichtlich, dass wir rund 20 Mitarbeitenden eine neue Stelle anbieten können. Es ist aber noch zu früh, um genauere Angaben machen zu können.
Wie schätzt man bei Tamedia die Chance von Deal-Plattformen innerhalb eines Verlages generell ein?
Das Gründerteam von scoup.ch hat in den letzten Monaten innerhalb von Tamedia mit beeindruckendem Tempo ein neues Team aufgebaut. scoup.ch ist nicht am fehlenden Engagement des Teams gescheitert und die Möglichkeit, von den Reichweiten unserer Medien zu profitieren, ist durchaus ein grosser Vorteil für eine Startup-Plattform. Das zeigen alleine die zahlreichen Kooperations- und Beteiligungsanfragen.
Bleibt Tamedia nun ganz aus dem Geschäftsfeld Social-Buying draussen oder schaut man sich nach anderen Beteiligungsmöglichkeiten um?
Im Moment steht für uns die Schliessung von scoup.ch im Vordergrund. Wir investieren zudem intensiv in andere digitale Plattformen wie FashionFriends, 20 Minuten Online, das Newsnet, search.ch oder die Stellenplattformen von Jobup. Für die Zukunft schliessen wir ein neues Engagement aber nicht grund¬sätzlich aus.
Ein wichtiger Grund für das Aus von scoup.ch ist die starke Konkurrenz, etwa durch die US-amerikanische Aktionsplattform Groupon, die auch in der Schweiz tätig ist, und vor allem durch die Ringier-Schnäppchenfirma DeinDeal, die bereits rund 100 Mitarbeiter beschäftigt. Ringier hatte offenbar einen besseren Riecher bei der Beteiligung an DeinDeal. Dabei hat wohl auch DeinDeal von seiner mächtigen Besitzerin profitiert, denn durch die zahlreichen reichweitenstarken Ringier-Publikationen konnten die DeinDeal-Angebote unter den Lesern rasch bekannt gemacht werden.
Ringiers DeinDeal läuft hervorragend
Bei Ringier zeigt man denn auch sehr zufrieden mit DeinDeal. "DeinDeal hat im 2011 mehr als 35 Millionen CHF Umsatz erwirtschaftet und verfügt heute mehr als eine halbe Million registrierte Nutzer", erklärt Mediensprecher Edi Estermann auf Anfrage von persoenlich.com. Das schweizweit am besten etablierte Schnäppchen-Unternehmen, bei dem Ringier eine 60-Prozentbeteiligung hat, sei "hervorragend" ins 2012 gestartet. "Wir sind mit den Wachstumszielen, die wir uns gesetzt haben, voll und ganz im Plan."
In Bezug auf den Fehlgriff von Tamedia meint Estermann: "Wir verlieren mit Scoup einen wertigen Mitbewerber, der den schwerwiegenden Nachteil hatte, sehr viel später in den Markt eingetreten zu sein und gegen DeinDeal, den klaren Schweizer Marktführer im Group-Buying-Geschäft, anzutreten versuchte", und er fügt an: "Wir begrüssen die ehemaligen Scoup-Nutzer gerne auf der täglich mit tollen Angeboten aktualisierten Plattform von DeinDeal." (eh/cb)