Tausende bei Trauerfeier für ermordete Journalistin

Russland - Bundesrat Blocher verlangt Aufklärung des Verbrechens.

Unter der Anteilnahme von etwa 2500 Menschen ist die russische Journalistin Anna Politkowskaja am Dienstag beigesetzt worden. Journalisten, Menschenrechtler, westliche Diplomaten und Moskauer legten Blumen am Sarg nieder. Politkowskaja lag nach russischer Sitte in einem offenen Sarg aufgebahrt. Nach der Zeremonie wurde sie auf dem Friedhof Trojekurowskoe im Westen der russischen Hauptstadt bestattet.

Als Vertreter der Regierung nahm der Kreml-Beauftragte für Menschenrechte, Wladimir Lukin, an der Zeremonie teil. "Sie war eine Menschenrechtlerin und Journalistin im wahrsten Sinne des Wortes, eine Heldin Russlands", sagte er. Kollegen von der Zeitung "Nowaja Gaseta" erinnerten daran, wie oft Politkowskaja bedroht worden sei. Sie versprachen, ihre Arbeit weiterzuführen. "Heute ist ein Tag der Trauer, und dann beginnen wir wieder damit, die Zeitung zu machen", sagte der Vize-Chefredaktor.

Justizminister Christoph Blocher betonte bei seinem Besuch in Moskau, die rasche Aufklärung des Tötungsdeliktes sei von grosser Bedeutung. Es gehe um die Aufklärung eines Anschlags gegen die Freiheit der Meinungsäusserung.

Putint verurteilt Gräueltat

Präsident Wladimir Putin, der nach dem Tod der Regierungskritikerin lange geschwiegen hatte, verurteilte die Tat bei seinem Besuch in Deutschland als "abscheuliche Gräueltat" und inakzeptables Verbrechen. Die Täter seien Verbrecher, die verfolgt und bestraft werden müssten. Der Mord schade Russland und der geltenden Macht in Russland, sagte er nach einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. Der Präsident war in Dresden mit "Mörder - Mörder" Rufen empfangen worden. Er hatte sich erstmals am Montag öffentlich zum Tod der Journalistin geäussert.

Fünf Täter gesucht