"Technischer Fortschritt grosse Bedrohung für klassische Presse"

Russ-Mohl - Verleger müssen über Geschäftsmodelle nachdenken.

Stefan Russ-Mohl, Professor für Journalismus und Medienmanagement an der Universität Lugano, glaubt, dass der technische Fortschritt eine grosse Bedrohung für die klassische Presse darstellt. Die Zeitungen seien an einem Punkt angekommen, an dem sie über ihre Geschäftsmodelle nachdenken müssten, erklärte er in einem Interview in der Mittelland Zeitung. Zeitungen sollten sich darauf gefasst machen, dass sie ihr Produkt in Zukunft vermutlich eher elektronisch verbreiten müssten, anstatt wie heute gedruckt am Kiosk.

Es werde nicht soweit kommen, dass die Leute nicht mehr darüber informiert werden wollen, was sich in ihrer Umgebung abspiele, es werde aber mehr im Netz gesurft und weniger am Kiosk gekauft, um die Informationen zu erhalten. Russ-Mohl glaubt, dass Zeitungshäuser, die sich nicht darauf einstellen, vielleicht wirklich irgendwann vom Markt verschwinden.

Nach Ansicht des Professor müssten Zeitungen wieder mehr darüber aufklären, wie sich Medien finanzieren. Es müsse den Lesern klar gemacht werden, dass guter Journalismus Geld koste. Es könne zudem helfen, wenn eine Zeitung das Publikum über das eigene Wirken und den Journalismus aufkläre. Vielleicht könne so die Zahlunsbereitschaft wieder etwas vergrössert werden.

Konkret empfiehlt Russ-Mohl den Verlegern mit wenig Aufwand -- also mit einer Redaktion -- über die beiden Kanäle Internet und Print das Angebot den Lesern zugänglich zu machen. Die Preispolitik müsse jedoch stimmen. Aktuell seien die meisten Online-Angebote gratis, man habe dafür aber nicht Zugriff auf die ganze Zeitung. Beim Online-Voll-Abo werde aber der Preisvorteil -- man müsse ja die Zeitung nicht mehr auf teurem Papier drucken -- nicht weitergegeben.