Technologie oder Wissen? Zwei Zukunftsthesen

Journalismustag16 - Ein Podium mit Tamedia-Verleger Pietro Supino und Publizistikwissenschaftler Otfried Jarren eröffnete am Mittwoch den Journalismustag in Winterthur. Der eine sprach über Technologie als Chance und der andere über Wissen als Daseinsberechtigung der Medien.

von Michèle Widmer

225 Vertreter der Medienbranche kamen am Mittwoch zum Journalismustag16 in Winterthur zusammen. Philipp Cueni, Präsident des Vereins für Qualität im Journalismus, welcher die Veranstaltung organisiert, verkündete zu Beginn des Tages erfreut einen Teilnehmerrekord.

Eröffnet wurde der Tag von Verlegerpräsident und Tamedia-Verleger Pietro Supino und dem Publizistikwissenschaftler Otfried Jarren. Vor den Teilnehmenden führten beide zwei Thesen aus, welche dann gemeinsam – unter Moderation von Hannes Britschgi – diskutiert wurden.

«Technologie bedeutet für die Medienbranche nicht nur Herausforderung, sondern auch Chance», lautete eine von Supinos Thesen. Print habe Zukunft in der digitalen Welt, führte er aus. Diese Aussage lässt aufhorchen, denn sein Verlag investiert zurzeit wie kein anderer in der Schweiz ins Digitalgeschäft, hauptsächlich fernab vom Journalismus. Während Print jedoch berechenbar zurückgehe, sei die Zukunft im Digitalgeschäft unberechenbar. Dabei sprach Supino hauptsächlich vom Rubrikengeschäft, wo man nicht wisse, ob «bereits morgen die Disruption eintritt».

Doch Ungewissheit sei nicht per se etwas Schlechtes, erklärte er. Bei Tamedia etablieren sich laut Supino die digitalen Bezahlmodelle langsam aber sicher. Für den Tamedia-Verwaltungsratspräsidenten ist unbestritten: Die Leute konsumieren nach wie vor Medien, einfach auf anderen Kanälen. Vielleicht würden sie keine 800 Franken mehr für ein Jahresabo bezahlen, dass sie 200 bis 400 Franken dafür auszugeben, sei allerdings realistisch.

Die technologischen Chancen sieht Supino im Bereich der Effizienz und der Distribution. «Dank dem Internet können Verlage viel mehr Nutzer erreichen und diese Aufmerksamkeit auf dem Werbemarkt verkaufen», sagte er in Winterthur. Hier gelte es noch stärker die Interessen der Nutzer zu befriedigen. Um unter dem herrschenden Spardruck effizienter arbeiten zu können, müssten Verlagshäuser die Technologie in ihre Dienste stellen.

Trotz seiner Faszination für Technologie zieht Supino, wenn es um grosse amerikanische Technologiefirmen geht, eine Grenze. Bezüglich der Zusammenarbeit mit Facebook zeigte sich der Verlegerpräsident skeptisch. «Wir müssen den Kundenkontakt selbst halten», argumentierte er.

«Die Medien müssen Wissen bereitstellen, um ihr Dasein zu berechtigen», lautete eine der Thesen von Otfried Jarren. «Was macht Journalismus?», fragte der Publizistikwissenschaftler zu Beginn seiner Ausführungen. Das Internet habe eine Flut an Informationen und Meinungsbeiträgen durch Blogs hervorgebracht. Daher, so sein Appell an die Teilnehmenden, brauche es ein neues Konzept für den Journalismus.

Medien müssten die vorhandenen Informationen einordnen und sie bündeln. Die Redaktionen müssten ihr Wissen in Form von Analysen und Thesen zu aktuellen Themen bereitstellen und gleichzeitig ihre Kritik- und Kontrollfunktion wahrnehmen, um im digitalen Zeitalter überleben zu können.