Die Frage, ob es in den siebziger Jahren ein Geheimabkommen zwischen der PLO und der Schweiz gegeben habe, führte zwischen der NZZ und dem «Tages-Anzeiger» in den letzten Wochen zu einer publizistischen Auseinandersetzung mit dem Übernamen «Zürcher Zeitungskrieg». Während die NZZ der These ihres Chefreporters Marcel Gyr vertraut, der in seinem vielbeachteten Buch "Schweizer Terrorjahre" von einen geheimen Vertrag berichtete, den der damalige Aussenminister Pierre Graber mit den palästinensischen Terroristen abgeschlossen habe, versuchte dies der «Tages-Anzeiger» und die«Sonntagszeitung» mit mehreren Artikeln zu widerlegen. Kronzeuge für Gyrs These ist der langjährige Genfer SP-Nationalrat und Soziologieprofessor Jean Ziegler, der den Kontakt zur PLO-Spitze hergestellt habe. Während sich die Schweiz laut Gyr verpflichtete alle juristischen Verfahren einzustellen, habe die PLO auf weitere Gewaltanwendungen in der Schweiz verzichtet. Im Vorfeld hatten palästinensische Terroristen eine Swissairmaschine über Würenlingen in die Luft gesprengt, bei der es 47 Tote gab.
Topterroritst «Carlos» fühlte sich von der Schweiz «protegiert»
In ihrer Montagsausgabe veröffentlicht die NZZ nun ein längeres Gespräch mit dem Topterroristen «Carlos», der momentan in Frankreich seine Haft absitzt. Dieser habe seinem Zürcher Anwalt bereits vor Jahren von einem geheimen Abkommen mit den Palästinensern erzählt. Diese Version bestätigte «Carlos», der mit bürgerlichem Namen Illich Ramirez Sanchez heisst, nun vor wenigen Tagen in einem längeren Telefonat, welches Marcel Gyr aus der Praxis seines Rechtsanwalts direkt mit dem im Gefängnis sitzenden Terroristen führen konnte. Darin erzählt «Carlos», dass er sich aufgrund des Abkommens wie angeblich alle palästinensischen Kämpfer, in der Schweiz vor behördlichem Zugriff sicher gefühlt habe. Mitte der 1970er Jahre sei er mehrmals in die Schweiz gekommen, so Topterrorist. 1975 sei er von Zürich nach Wien weitergereist, um die Opec-Geiselnahme vorzubereiten, wo es drei Todesopfer gab. (ma)