Er ist ein Plauderer mit einem fragwürdigen Modegeschmack. Vor allem aber ist Thomas Gottschalk auch nach fast 35 Jahren auf dem Bildschirm einer der beliebtesten Fernsehmoderatoren im deutschsprachigen Raum ein lebendes Denkmal. Am Dienstag wird Gottschalk 60 für ihn kein Grund, nun an die Pensionierung zu denken. "Während mein Bruder vor sich hin altert, bleibe ich immer 30", ist das Motto Gottschalks. So macht er auch um seinen Geburtstag kein Aufhebens.
Eine Ehrensendung des ZDF lehnte er ab, dafür moderiert Gottschalk am Pfingstsonntag die alljährliche Mallorca-Ausgabe von "Wetten, dass..?". Für die Zuschauer ein beruhigendes Ereignis: Sie können sich darauf verlassen, dass Gottschalk ihnen wieder einen Mix aus Stars und Sternchen und unterhaltsamen Wetten vorführen wird. Das Grundkonzept von "Wetten, dass..?" stammt aus der Feder des ersten Moderators Frank Elstner. Aber hätte es die Show ohne den 1987 eingestiegenen Gottschalk zur erfolgreichsten in Europa gebracht? Sein Rezept in Zeiten öffentlicher Verunglimpfungen: Wenn er jemanden auf die Schippe nimmt, dann vor allem sich selbst.
Seine Tätigkeit in den Medien begann, nachdem er den Gedanken an eine Laufbahn als katholischer Priester aufgegeben hatte, 1971 im Bayerischen Rundfunk. "Die beste Zeit meines Lebens" habe er dort verbracht, sagt Gottschalk: Als Pop- Moderator brach er mit den strengen Konventionen des öffentlich-rechtlichen Radios. Das übertrug er auch aufs Fernsehen, die Unterhaltungssendung "Na sowas" wurde 1982 sein Durchbruch. Gottschalk wurde am 18. Mai 1950 im oberfränkischen Bamberg geboren. Sein loses Mundwerk führt er auf die Herkunft seiner Familie zurück. "Das Schlesische, das ist ja eigentlich, was mich ausmacht", sagt der Sohn eines nach dem Zweiten Weltkrieg aus Oberschlesien geflüchteten Ehepaars: "Ich bin deswegen von einer gewissen Fröhlichkeit, die den Oberfranken an sich fremd ist."
Mit dieser Fröhlichkeit passt Gottschalk auch wunderbar ins kalifornische Malibu, wo er in den vergangenen gut 20 Jahren seinen Lebensmittelpunkt hatte und seine Söhne Roman und Tristan gross wurden. Inzwischen besitzt er aber auch ein Schloss am Rhein - Gottschalks Frau Thea hatte wachsendes Heimweh gezeigt.
Kein Gedanken an Rücktritt
Seine Frau habe "nie den Fehler gemacht, den öffentlichen Gottschalk mit dem privaten zu verwechseln", sagt der Show-Star zum Geheimnis seiner in 34 Jahren skandalfrei gebliebenen Ehe. Dass ihr Mann immer mal wieder bei seinen weiblichen Gästen Hand anlegt, scheint Thea Gottschalk nicht aus der Ruhe zu bringen. Er selbst erklärt dies Verhalten mit einem typisch-flapsigen Spruch: "Schon mein Vorbild Jesus war ein grosser Handaufleger." Heute hat Gottschalk einen Status erreicht, bei dem es fast egal ist, was er macht. Früher sorgte er immer wieder für Debatten.
Dass er in seiner RTL-Late-Night-Show 1992 vom rechtsextremen Politiker Franz Schönhuber vorgeführt wurde, dass er bei "Wetten, dass..?" Schälchen mit Gummibärchen eines Werbepartners aufstellte oder dass viele seiner Sendungen hinter den Quotenerwartungen blieben, änderte auf Dauer nichts an seinem positiven Image. "Mir bleibt schon jetzt die Sicherheit, dass ich in meinen Nachrufen mal ganz gut aussehen werde", sagte Gottschalk bereits vor sechs Jahren. Solange es ihm und seinem Millionen-Publikum Spass macht, will er weiter "Wetten, dass..?" machen: "Es wäre Blödsinn, diese Sendung abzugeben, bevor ich damit fertig bin." (sda)