Die Tamedia und die NZZ-Gruppe verhandeln derzeit über eine redaktionelle Zusammenarbeit im Thurgau. Dies bestätigen sowohl Gottlieb F. Höpli, Chefredaktor des St.Galler Tagblatts, als auch Andreas Netzle, Chefredaktor der Thurgauer Zeitung, im Interview mit "persoenlich.com". Der Regierungsrat zeigt sich derweil besorgt über eine allfällige publizistische Aufteilung des Kantons und befürchtet einen Abbau "zahlreicher Arbeitsplätze".
Der Vertrag, der eine Zusammenarbeit zwischen der Thurgauer Zeitung (Tamedia) und dem zur NZZ-Gruppe gehörenden Tagblatt (Thurgauer Ausgabe des St. Galler Tagblatts) regelt, soll am 15. September unterzeichnet werden. Der Westen des Kantons mit den Bezirken Frauenfeld, Weinfelden, Münchwilen, Diessenhofen und Steckborn soll zum Einzugsgebiet der Thurgauer Zeitung gehören. Den Osten mit den Bezirken Arbon, Bischofszell und Kreuzlingen würde das Tagblatt abdecken. Geprüft wird eine redaktonelle Kooperation auf der Basis von Artikelaustausch oder Seitenaustausch.
Im Thurgau ist zu hören, dass das St.Galler Tagblatt seine Redaktionen in Weinfelden und Kreuzlingen schliessen will. Die Thurgauer Zeitung will im Gegenzug vor allem aus dem Bezirk Arbon und aus Amriswil Stoffe vom Tagblatt übernehmen. Wieviele Stellen bei einer Unterzeichnung des Kooperationsvertrag gestrichen würden, ist unklar.
Andreas Netzle von der Thurgauer Zeitung spricht gegenüber "persoenlich.com" von einer Reduktion um zwei bis drei Stellen. Gottlieb F. Höpli von "wenigen Betroffenen". Öffentlich geworden waren die Kooperationsgespräche durch eine Meldung der Aargauer Zeitung am Mittwoch ("persoenlich.com" berichtete).
Thurgauer Regierung will Gespräch mit den Verlagen
Auf Grund dieser Meldung hat der Thurgauer Regierungsrat bereits Besorgnis über eine Aufteilung des Kantonsgebiets unter den beiden Blättern geäussert. Er will "umgehend Gespräche mit den Zürcher Medienhäusern verlangen".
Sollten sich die zwei Zürcher Medienhäuser tatsächlich auf eine Aufteilung des Thurgaus einigen, würde nach Ansicht der Regierung der Kanton auch politisch, wirtschaftlich und kulturell gespalten. Dies würde dem Kanton nachhaltig schaden.
Die Regierung befürchtet zudem den Abbau "zahlreicher Arbeitsplätze von teilweise sehr erfahrenen Redaktorinnen und Redaktoren". Sie findet aber das Vorgehen der beiden Verlage "auch aus wettbewerbsrechtlicher Sicht nicht unbedenklich". Es sei fraglich, ob sich zwei Konkurrenten ein publizistisches Gebiet nach Absprache aufteilen könnten.
Chefredaktor der Thurgauer Zeitung will in die Politik
Am Donnerstag gab der Chefredaktor der Thurgauer Zeitung, Andreas Netzle, seine Kandidatur für das Amt des Kreuzlinger Stadtammanns bekannt. Die Wahl ist am 26. November. Der 47-jährige Netzle wird vom überparteilichen Komitee "Aufbruch Kreuzlingen" portiert. Dieses will nach eigenen Angaben mit Netzle einen unabhängigen Kandidaten präsentieren, der das Stadtammannamt "unbelastet von lokalen Zwängen und Bindungen" ausüben könne. Netzle ist seit 2001 Chefredaktor der Thurgauer Zeitung. (sda)
Zum Thema: Interview mit Andreas Netzle, dem Chefredaktor der Thurgauer Zeitung unter
http://www.persoenlich.com/news/show_news.cfm?newsid=62286
Zum Thema: Interview mit Gottlieb F. Höpli, dem Chefredaktor des St.Galler Tagblatts unter