Wegen des tiefen Eurokurses lassen immer mehr Firmen ihre Magazine und Prospekte im Ausland drucken. Dies schreibt die Zeitung "Der Sonntag". So werde das Frauen-Magazin "Annabelle" aus dem Hause Tamedia seit vergangenem Jahr im deutschen Pforzheim gedruckt und nicht mehr bei Ziegler Druck in Winterthur. Pro Jahr werden rund 400 Millionen Seiten vom deutschen Pforzheim in die Schweiz transportiert, wo sie verarbeitet und versandt werden, berichtet das Blatt weiter. Ziegler Druck musste wegen der "Annabelle" und weiteren Auftragsverlusten 2010 neun Personen entlassen. Seit Anfang Jahr wird auch die Fernsehprogrammbeilage, welche die Tamedia zusammen mit Ringier herausgibt, ebenfalls in Süddeutschland gedruckt.
Auch das Magazin "Sprechstunde Doktor Stutz" des Fernsehdoktors Samuel Stutz hat den Druck seit einem halben Jahr nach Deutschland verlegt. Stutz spare so pro Jahr etwa eine halbe Million Franken, die er in redaktionelle Leistung investiert. Zwei neue Stellen habe er geschaffen und das Heft erscheine neu sechs statt vier Mal pro Jahr, sagt er gegenüber "dem Sonntag".
Nicht nur journalistische Erzeugnisse folgen dem Euro-Lockruf. "Die meisten Werbeprospekte in den Schweizer Briefkasten werden zunehmend im Ausland produziert", sagt Lothar Dostal, Chef von Ziegler Druck in Winterthur. Vor zwei Jahren druckte Ziegler zum Beispiel noch die Flyer und Kataloge von Micasa und Melectronics. Heute stammen sie aus Deutschland und Österreich. Seit längerem werden zudem alle Kuoni- und Hotelplan-Reisekataloge im Ausland hergestellt. Auch 75 der 125 Telefonbuch-Editionen kommen seit zwei Jahren aus Deutschland. Die Herausgeberin Local.ch, ein Joint Venture von Swisscom und der Publigroupe, begründet dies mit der fehlenden Drucktechnik in der Schweiz. Und die SBB produzieren das Bahn-Kursbuch und die Postauto-Kursbücher in Deutschland, beide mit einer Auflage von je 50'000 Exemplaren.
Diese Entwicklung bringt drastische Folgen für die Branche. "Vor zehn Jahren zählten wir noch über 3000 grafische Betriebe, heute sind es noch 2'000. Und bis in zehn Jahren dürften weitere 1'000 verschwinden", sagt Viscom-Direktor Thomas Gsponer im "Sonntag". Viscom reagiert mit einer grossflächigen Imagekampagne. "Wir müssen die Swissness für Druckerzeugnisse hervorheben", sagt Gsponer. Dafür plane man zudem die Einführung eines Labels "Printed in Switzerland". Im Hinblick auf die kommenden Wahlen habe man zudem alle Schweizer Parteien angeschrieben und sie gebeten, ihre Wahlprospekte nachhaltig und in der Schweiz zu drucken.