Es war ein "Dok"-Film der emotionalen Art, der am 17. Dezember auf SRF 1 über den Sender ging. Im Beitrag mit dem Titel "Die Macht des Volkes" ging "Dok"-Filmerin Karin Bauer den Folgen von heiklen Volksentscheiden wie dem Minarettverbot oder zur Forderung «Schweizer Recht statt fremde Richter» für die direkte Demokratie nach.
Als Protagonisten amteten auf der einen Seite der Zürcher SVP-Parteipräsident Alfred Heer, SVP-Lokalpolitikerin Martina Bircher und SVP-Nationalrat Hans-Ueli Vogt. Dabei nahm Heer mit Ausagen wie «Das ist das Kommunisten-Schweizer-Fernsehen. Das sind alles linke Kommunisten» kein Blatt vor den Mund.
Den dreien gegenüber standen Helen Keller, Schweizer Richterin am europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, und die parteilose Journalismus-Studentin Simone Knittel. Auch die Haltung der «Dok»-Filmerin kam aufgrund ihrer Fragen und in einzelnen Passagen im Off-Text zur Geltung.
«Absolut tendenziös»
Für SVP-Nationalrätin Natalie Rickli und ihren Parteikollege Gregor A. Rutz ging der Beitrag zu weit. Sie haben den Film bei der Ombudsstelle der SRG beanstandet. Sie beurteilen bereits die Themenwahl des Films als problematisch, weil sie zu einseitig sei. Der Film sei "absolut tendenziös" und ziele darauf ab die SVP zu "diffamieren" und ihre Exponenten zu "diskreditieren", erklärt Rutz Ende Dezember gegenüber dem "Blick".
In der letzten Ausgabe der "NZZ am Sonntag" verteidigt SRF-Chefredaktor Tristan Brenn nun den Film. Es stehe ausser Diskussion, dass sich der Film kritisch mit den Volksbegehren der SVP auseinandersetze, schreibt er in einem Kommentar. Eine transparente, kritische Haltung sei aber nicht tendenziös, sondern trage am effektivsten zur Meinungsbildung bei, sofern die Fakten stimmten und die im Film kritisch konfrontierten SVP-Vertreter mit ihren besten Argumenten zu Wort kämen. Insgesamt hätten die SVP-Protagonisen sogar mehr Sendezeit gehabt als die anderen Vertreter.
Für Brenn geht es darum, dass Journalisten in der Schweiz erlaubt sein müsse, ihre Themen so zu wählen, wie sie es für richtig halten. "Das nennt man unabhängigen Journalimsus", fügt er an. Gerade von Rickli als Präsidentin der "Aktion Medienfreiheit", müsse man hier eigentlich Zustimmung erwarten. (wid)
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