Seit 30 Jahren bringt David Letterman sein TV-Publikum mit einem spöttischen Rückblick auf das Tagesgeschehen ins Bett. Der scharfzüngige US-Moderator, Vorbild von Late-Night-Talkern weltweit, feiert am Donnerstag seinen 65. Geburtstag. Reif für die Rente ist er deswegen noch lange nicht: In der vergangenen Woche wurde bekannt, dass Letterman seinen Vertrag mit Arbeitgeber CBS um mindestens zwei Jahre verlängert hatte. Damit wird Letterman sein Idol Johnny Carson als den am längsten amtierenden Late-Night-Talker überholen.
Ein Karriereende Lettermans sei nicht in Sicht, schrieb die "New York Times". Die Vereinbarung mit CBS besage, dass der Moderator selbst entscheiden könne, ob und wann er seine Show beenden wolle. CBS-Chefin Nina Tassler pries Letterman nach der Vertragsverlängerung als "Late- Night-Legende mit einer Kult-Show". Über die Jahre gewannen seine Sendungen ein Dutzend Emmys, insgesamt wurden sie mehr als 60 Mal für den begehrten Fernsehpreis nominiert. Das Genre der Late-Night-Show - eine Mischung aus Promi-Talk, Standup-Comedy und Musik - ist eine Institution im US-Fernsehprogramm. Die Moderatoren sitzen hinter ihren wuchtigen Schreibtischen und kommentieren mit bissigem Witz zu später Stunde Ereignisse aus Gesellschaft und Politik. Populär machte das Format Altmeister Carson, dessen "Tonight Show" von 1962 bis 1992 auf NBC lief.
Carson war Lettermans Vorbild, als der Sohn eines Blumenhändlers im Bundesstaat Indiana Radio- und TV-Journalismus studierte. Anschliessend arbeitete Letterman unter anderem bei einem Radio in Indianapolis und als Wettermoderator bei einem lokalen TV-Sender. Bereits in diesem Job bewies er seine Zungenfertigkeit. Er lockerte die Vorhersagen für den Mittleren Westen mit flotten Sprüchen auf. So ist überliefert, dass er vor Hagelkörner in der Grösse von Konservendosen warnte und einem Tropensturm zum Aufstieg in den Rang des Hurrikans gratulierte.
Doch die Bühne in Los Angeles, von der aus Carson jeden Abend Millionen Fernsehzuschauer begeisterte, schien zunächst weit entfernt. Dennoch setzte Letterman Mitte der 70er Jahre zum Sprung nach Kalifornien, der Durchbruch gelang. Ab 1978 vertrat Letterman als Gastmoderator regelmässig Carson in dessen Sendung, ehe er 1982 auf NBC seinen eigenen Sendeplatz im Anschluss an die ehrwürdige "Tonight Show" erhielt.
Jay Leno als Carsons Nachfolger
Zehn Jahre lang arbeitete er im Schatten von Carson darauf hin, seinen Mentor zu beerben. Der Schock war gross für Letterman, als NBC 1992 nicht ihn sondern seinen Rivalen Jay Leno zum Nachfolger des Late-Night-Veteranen machte. Letterman wechselte zu CBS und startete in direkter zeitlicher Konkurrenz zu Leno eine neue Late-Night-Show. In den ersten Jahren hatte Letterman die deutlich besseren Quoten, fiel dann aber hinter Lenos "Tonight Show" zurück.
Als Dämpfer in Lettermans Karriere gilt dabei seine Moderation der Oscar-Gala 1995 - wegen der platten Witze bewerteten seine Kritiker die Moderation schlicht als Reinfall. Einen Tiefpunkt hatte Letterman auch im Jahr 2009, als er vor laufender Kamera mehrere Affären mit Mitarbeiterinnen seiner Sendung einräumte und sich bei seiner Frau entschuldigte. Ein Mitarbeiter von CBS hatte ihm gedroht, mit Informationen über die Affären an die Öffentlichkeit zu gehen, sollte er nicht zwei Millionen Dollar zahlen. Der Erpresser wurde später zu einer sechsmonatigen Haftstrafe verurteilt.
Letterman hatte seine langjährige Freundin Regina Lasko, mit der er einen Sohn hat, erst kurz vor dem Vorfall geheiratet. Auf einen blöden Spruch konnte der Moderator aber auch bei der öffentlichen Beichte der Fehltritte nicht verzichten: "Als ich heute morgen ins Auto stieg, wollte nicht mal die Dame vom Navigationssystem mit mir sprechen", sagte er. (sda)