03.09.2026

Programmanalyse

TV-Sender blicken kaum über die Sprachgrenze

Die SRG-Fernsehprogramme erfüllen ihren publizistischen Leistungsauftrag gemäss der Programmanalyse 2025 in den zentralen Bereichen. Beim Austausch über die eigene Sprachgrenze und beim Frauenanteil zeigen sich jedoch klare Lücken.
Programmanalyse: TV-Sender blicken kaum über die Sprachgrenze
«Ein sprachregionaler Austausch zwischen den Landesteilen findet nur punktuell statt»: Programmanalyse SRG-Fernsehen 2025. (Bild: Keystone/Jean-Christophe Bott)

Das Bakom hat am Montag die Fernsehprogrammanalyse für das Jahr 2025 auf seiner Website veröffentlicht. Durchgeführt hat sie H1 Medienanalyse in Berlin. Untersucht wurden SRF 1, SRF zwei, SRF info, RTS Un, RTS Deux, RSI LA1 und RSI LA2 an 14 zufällig gezogenen Stichprobentagen, jeweils über 24 Stunden. Die Datenbasis umfasst 2352 Programmstunden.

Im Durchschnitt entfallen bei den sieben Sendern knapp 56 Prozent der Sendezeit auf informierende Inhalte. Den höchsten Info-Anteil weist SRF info mit 92 Prozent auf, gefolgt von RTS Deux mit rund 80 Prozent und RSI LA2 mit knapp 60 Prozent. Die Hauptprogramme setzen stärker auf Unterhaltung: RTS Un kommt auf gut 56 Prozent, SRF 1 und RSI LA1 auf je rund 40 Prozent. Thematisch dominiert bei allen Sendern die Gesellschaftsberichterstattung mit Anteilen zwischen 26 und 44 Prozent. Wirtschaftsthemen spielen mit zwei bis sechs Prozent nur eine untergeordnete Rolle.

Kaum Blicke über die Sprachgrenze

Weniger gut als beim Grundauftrag Information schneiden die Sender dort ab, wo die Konzession den nationalen Zusammenhalt adressiert. Jeder Sender berichtet vor allem über Ereignisse in der eigenen Sprachregion: RSI LA1 und RTS Un je 42 Prozent, RSI LA2 38 Prozent, SRF info 37 Prozent, RTS Deux 33 Prozent, SRF 1 29 Prozent, SRF zwei 22 Prozent. Auf die jeweils anderen Sprachregionen entfallen gemäss der Studie zwischen weniger als einem und maximal neun Prozent der Informationsinhalte. Die rätoromanische Schweiz wird ausserhalb der eigens dafür reservierten Sendegefässe nur selten erwähnt, maximal in drei Prozent der Beiträge (SRF info, RSI LA2).

Die SRG-Konzession verpflichtet die Programme dazu, den Austausch zwischen den Sprachregionen zu fördern und die anderen Landesteile angemessen zu berücksichtigen. Die Studie hält fest: «Ein sprachregionaler Austausch zwischen den Landesteilen findet dagegen nur punktuell statt und bleibt insgesamt von untergeordneter Bedeutung.»

Männer führen das Wort

Auch bei der Geschlechterverteilung fällt der Befund klar aus. Über alle Redebeiträge hinweg dominieren männliche Sprecher: von 55 Prozent bei SRF 1 bis 78 Prozent bei RSI LA2. Den höchsten Frauenanteil weist SRF 1 mit 36 Prozent aus, es folgen RSI LA1 mit 35 und RTS Un mit 34 Prozent. Am tiefsten liegt der Wert bei RSI LA2 mit 17 Prozent. In der Sportberichterstattung steigt der Männeranteil auf über 80 bis 100 Prozent. Auch wenn Fachleute zu Wort kommen, überwiegen gemäss der Studie männliche Stimmen. Ausgeglichener ist das Verhältnis bei den Moderationen, dies allerdings nur bei den meisten Sendern: Ausgenommen sind RSI LA1 und SRF info. Die Konzession verlangt eine ausgewogene Vertretung der Geschlechter im publizistischen Angebot.

Bei der journalistischen Professionalität unterscheidet die Studie zwischen Meinungsvielfalt und Quellentransparenz. Fast alle Informationsbeiträge enthalten mindestens eine Einschätzung oder Bewertung. Aussagekräftiger ist jedoch, ob auch widersprüchliche Positionen dargestellt werden. Solche kommen bei SRF info in 76 Prozent der Fälle vor, bei SRF 1 in 64 und bei RTS Deux in 65 Prozent. Die italienischsprachigen Sender liegen deutlich darunter: Bei RSI LA1 wird in 85 Prozent der Informationsinhalte nur eine einzige Meinung dargestellt, bei RSI LA2 in 74 Prozent. Quellen werden dagegen bei allen Sendern in 98 bis 100 Prozent der Beiträge explizit genannt.

Neues Instrument, tiefere Übereinstimmung

Die aktuelle Programmanalyse der SRG-TV-Programme markiert einen methodischen Bruch. Erstmals verantwortet H1 Medienanalyse die Untersuchung allein, zuvor lag der Auftrag bei der GöfaK Medienforschung. Und erstmals kommt ein neues Codebuch zum Einsatz, das das Bakom entwickelt und zur Verfügung gestellt hat. Ziel ist es, die Radio- und Fernsehprogrammanalysen zu vereinheitlichen.

Das hat Folgen für die Zuverlässigkeit der Codierung. Das neue Instrument lässt es gemäss Bericht nicht zu, die Reliabilität mit nur einem Test zu messen; Sendungs- und Beitragsebene wurden deshalb getrennt geprüft. Beim Test auf Beitragsebene codierten von sechs beteiligten Personen 50,2 Prozent der Untersuchungseinheiten vollständig identisch; die mehrheitliche Übereinstimmung liegt bei 70,6, die durchschnittliche bei 82,3 Prozent. Die Autorinnen und Autoren führen dies auf die Komplexität des Instruments zurück, das sich in einer frühen Entwicklungs- und Konsolidierungsphase befinde. Ein direkter Zahlenvergleich zu früheren Analysen fehlt im Bericht. Auch die Darstellungslogik wurde geändert: Ausgewiesen wird neu innerhalb der jeweiligen Programmbereiche statt über einen durchschnittlichen 24-Stunden-Tag. (nil)


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