Die einheimischen und ausländischen TV-Sender haben mit ihren Angeboten im vergangenen Halbjahr pro Tag 4,6 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer erreicht. Dies entspricht einer Nettoreichweite von 61 Prozent, bezogen auf alle Personen ab drei Jahren, die in einem Privathaushalt mit einem oder mehreren TV-Geräten leben. Im zweiten Halbjahr 2022 waren es noch 57 Prozent – oder 334'000 Zuschauerinnen und Zuschauer weniger.
Während der Prozentwert für die Westschweiz (61 Prozent) dem Landesdurchschnitt entspricht und derjenige für die Deutschschweiz mit 60 Prozent knapp darunter liegt, schwingt das Tessin oben aus und erweist sich mit einer Tagesreichweite von 70 Prozent als Sprachregion mit der grössten TV-Affinität. Diese Einschätzung gilt nicht nur bei der Betrachtung des Zuschaueranteils, sondern auch beim Blick auf den Nutzungsumfang, wie die Forschungsstelle Mediapulse am Freitag mitteilte.
Im Schnitt investiert ein TV-Nutzer oder eine TV-Nutzerin im italienischsprachigen Landesteil pro Tag 203 Minuten in die Nutzung von TV-Programmen. Die entsprechenden Vergleichswerte sind mit 188 Minuten in der Westschweiz und mit 168 Minuten in der Deutschschweiz ebenfalls stattlich, liegen aber deutlich unter dem Spitzenwert aus dem Süden.
Legt man dieses Nutzungsvolumen pro Seher auf die Gesamtbevölkerung um, lässt sich die TV-Nutzungsdauer pro Kopf, also über alle Personen ermitteln. Diese Sehdauer liegt im zweiten Semester 2023 schweizweit bei 106 Minuten. Im zweiten Semester 2022, das massgeblich von der Fussball-WM in Katar geprägt war, lag dieser Wert bei 111 Minuten, was im Vorjahresvergleich einen Rückgang um fünf Minuten bedeutet.
Die von Mediapulse betriebene Fernsehforschung gibt Auskunft über die lineare und zeitversetzte TV-Nutzung auf herkömmlichen TV-Geräten. Eine Messlösung für die Nutzung von TV-Angeboten über alternative Endgeräte ist bereits implementiert, erfasst diese Nutzungsform aber noch nicht vollständig, weshalb die entsprechenden Nutzungsdaten in der Statistik für das zweite Semester 2023 nicht enthalten sind, wie es weiter heisst.
SRF mit 30,4 Prozent Marktanteil
Die Übernahme der Bank Credit Suisse im März sowie der Wahlsonntag im Oktober 2023 haben die Schweizer Bevölkerung interessiert: Über 850'000 respektive 810'000 Personen schauten die entsprechende «Tagesschau» am Abend im Schweizer Radio SRF. Zum Vergleich: Im Durchschnitt konsumierten rund 580'000 die Informationssendung.
Das teilte das Schweizer Radio und Fernsehen SRF am Freitag mit. Der Marktanteil aller TV-Sender- und -Sendungen von SRF (SRF 1, SRF zwei, SRF Info, ganzer Tag) belief sich im Jahr 2023 auf 30,4 Prozent. Im Vorjahr waren es 33,4 Prozent gewesen. Damals gab es allerdings einige Sportgrossevents wie Fussball-WM und -EM sowie Olympische Spiele. Der Marktanteil der SRF-Radiosender (SRF 1, SRF 2 Kultur, SRF 3, SRF 4 News, SRF Musikwelle und SRF Virus) belief sich 2023 auf 52,3 Prozent (3,8 Millionen). Das ist gleich viel wie im Vorjahr.
Für Aufmerksamkeit sorgten gemäss Mitteilung im vergangenen Jahr die Premiere der SRF-Serie «Davos 1917», die dritte Staffel von «Tschugger» und der «Donnschtig-Jass». Der «Donnschtig-Jass» habe mit durchschnittlich fast 500'000 Personen gar ein Rekordjahr seit 2013 erlebt. Die historische Spionageserie «Davos 1917» verbuchte live oder zeitversetzt im TV durchschnittlich 541'000 Zuschauerinnen und Zuschauer pro Episode, bei «Tschugger» waren es 332'000 Personen. Dazu kommen in beiden Fällen die Konsumenten auf den Online- und Streamingplattformen.
Im Sport schalteten sich am meisten Zuschauerinnen und Zuschauer bei den Ski-Weltmeisterschaften in Courchevel und Méribel ein. Rund 736'000 Personen fieberten bei der Goldfahrt von Marco Odermatt in der Abfahrt mit. Die WM-Abfahrt der Frauen mit der späteren Siegerin Jasmine Flury sowie der drittplatzierten Corinne Suter verfolgten 619'000 Personen.
Nationale CH-Media-Sender legen zu
Die nationalen TV-Sender von CH Media konnten im zweiten Halbjahr 2023 «nahtlos an die Erfolge des ersten Halbjahres» anknüpfen, wie es in einer Mitteilung heisst. Die neuen Staffeln von Eigenproduktionen wie «Höhle der Löwen» und «Abenteuerlustig» sowie sportliche Highlights wie die National-League-Eishockey-Saison hätten dazu beigetragen, dass die nationalen TV-Sender erneut Marktanteile zulegen konnten. «In einem herausfordernden Marktumfeld hat sich unser nationales TV-Portfolio im vergangenen Jahr besser als jede andere Sendergruppe entwickelt. Das ist nicht selbstverständlich und unter anderem dank viel Innovationskraft und dem kreativen und grossen Engagement des ganzen Teams möglich», lässt sich Roger Elsener, CEO CH Media TV, zitieren.
Insbesondere mit informativen Sondersendungen, wie der Liveberichterstattung zu den eidgenössischen Wahlen, oder Spezialsendungen wie «Patty New Year 2024» habe TeleZüri überzeugt, schreibt der grösste Schweizer Privatsender in einer eigenen Mitteilung. «Ich freue mich sehr, dass die Anstrengungen von TeleZüri gerade im Bereich der politischen Sondersendungen vom Publikum stark geschätzt werden. Grundlage für diese unangefochtene Spitzenposition in der Grossregion Zürich ist das tägliche Engagement des langjährigen und erfahrenen Teams für Relevanz und regionalen Service public. Wir freuen uns, dass TeleZüri nicht nur ein Sender, sondern ein geschätzter Begleiter für die Menschen in unserer Region und darüber hinaus ist», so Oliver Steffen, Chefredaktor Regionale Elektronische Medien.
YouTube schlägt Netflix
Neben den TV-Angeboten erfasst Mediapulse seit 2021 auch die Reichweite und die Nutzungsdauer von relevanten Streaming- und Videoplattformen. Die sogenannte Streamingmessung ist wie die übrige TV-Forschung auf die Nutzung zu Hause beschränkt, berücksichtigt dort aber die Zugriffe über alle internetfähigen Geräte im Haushalt.
Die Ergebnisse für das zweite Halbjahr 2023 bestätigen laut Mitteilung drei Befunde, die schon in den zurückliegenden Jahren beobachtbar waren. Erstens verzeichnen unter den erfassten Plattformen lediglich YouTube und Netflix substanzielle Nutzer- und Nutzungswerte. Zweitens erreicht YouTube an einem Durchschnittstag deutlich mehr Nutzer als Netflix, kann diese Nutzer aber deutlich weniger lang binden als der Streaminganbieter. Drittens dominieren die Angebote des klassischen Fernsehens nach wie vor das Zeitbudget für Bewegtbildnutzung. Über 80 Prozent der gemeinsamen Sehdauer von TV, YouTube und Netflix entfallen zu Hause auf die lineare oder zeitversetzte Nutzung von Fernsehprogrammen. (pd/sda/cbe)