UBS-Aktien steigen wegen nicht "frischem" Interview

Handelszeitung - Informationen nicht auf dem neuesten Stand.

Ein von der "Handelszeitung" vorab publiziertes Interview mit UBS-Chef Marcel Rohner hat am Dienstag der Aktie der Grossbank zu einem Kurssprung verholfen. Was die Anleger erst am nächsten Tag erfuhren: Das Interview bezog sich nicht auf aktuelle Informationen.

Das Interview wurde bereits vor Weihnachten geführt und bezieht sich auf den Informationsstand vom 10. Dezember 2007, den Tag also, als die Kapitalerhöhung und der Abschreiber von weiteren 10 Mrd. Dollar bekanntgegeben wurde. Das bestätigte am Mittwoch eine UBS- Sprecherin der Nachrichtenagentur AWP.

Die "Neue Zürcher Zeitung", die den genauen Zeitpunkt des Interviews publik gemacht hat, beschreibt die Aussagen Rohner denn auch als "ohne den geringsten Neuigkeitswert". Was Rohner ausführe, sei "längst bekannt und ungefähr so orakelhaft wie irdgendein zum Jahreswechsel publizierter astrologischer Ausblick".

Gegenüber der AWP sagte der Chefredaktor der "Handelszeitung", Martin Spieler, das Interview sei von der UBS erst per Montag zur Veröffentlichung autorisiert worden.

Neues erst im Februar

Rohner sagte in dem Interview unter anderem, "die Risikoposition der Grossbank UBS ist substanziell kleiner geworden". Aktuelle Angaben zur Lage waren von der UBS nicht zu erhalten. Die Sprecherin verwies gegenüber der AWP auf den 14. Februar. Dann werden die Resultate des vierten Quartals 2007 kommuniziert.

Der Markt glaubte aber offenbar an die vermeintlich neue Einschätzung: Sie gab der UBS-Aktie starken Auftrieb, der Titel schoss nach der Publikation des Interviews um knapp 4 Prozent auf 50.40 Fr. in die Höhe. Am Schluss lag die Aktie noch 1,82 Prozent im Plus.

Die UBS hatte im Zuge der US-Hypothekarkrise 16 Mrd. Franken abschreiben müssen. Um die Finanzbasis zu stärken, holte sie für 13 Mrd. Franken den Staatsfonds Singapur und einen weiteren Investor an Bord. Zudem soll die Bardividende durch eine Aktiendividende ersetzt werden. Diese Massnahmen sind laut Rohner "genügend". (sda)