Die Rücktritte von drei Chefredakteuren einer unabhängigen russischen Mediengruppe haben Spekulationen über eine Einflussnahme des Kreml ausgelöst. Das Unternehmen RBK, das dem Milliardär Michail Prochorow gehört, erklärte die Rücktritte am Freitag in einem Communiqué mit Differenzen «in wichtigen Fragen». Es habe zuletzt viele Diskussionen über den Kurs von RBK gegeben, «ohne dass wir zu einer gemeinsamen Position kommen konnten». Nach Bekanntgabe der Rücktritte kündigten vier weitere leitende RBK-Redakteure über Facebook an, ihre Stellen in den kommenden Wochen aufgeben zu wollen.
Der Chef des Moskauer Journalistenverbands, Pawel Gussew, zeigte sich gegenüber der Agentur Interfax «absolut sicher», dass die Rücktritte «auf Druck der politischen Führung» erfolgt seien. Er erinnerte an frühere Fälle, bei denen der Kreml unabhängige Medien unter seine Kontrolle brachte. Der Chef des unabhängigen Radiosenders Moskauer Echo, Alexej Wenediktow, äusserte die Vermutung, dass RBK-Eigentümer Prochorow die Rücktritte veranlasste, um seinen Besitz an der Mediengruppe zu wahren.
Viel Platz für «Panama Papers»
Prochorow hatte 2012 bei der Präsidentschaftswahl gegen Putin kandidiert und war auf Platz drei gelandet. Der Moskauer Politologe Nikolai Petrow äusserte die Vermutung, dass RBK «aufhören wird, ein unbequemes Medium zu sein». Zu der Mediengruppe zählen unter anderem eine Tageszeitung und eine Nachrichtenwebsite. Diese Medien hatten wiederholt über Interessenkonflikte von Regierungsvertretern und über Geschäfte von Angehörigen führender Politiker berichtet. Sie räumten auch den Enthüllungen aus den «Panama Papers» viel Raum ein.
Der Kreml wies den Vorwurf der Einflussnahme in Bezug auf die Rücktritte zurück. Es habe «keinerlei Druck auf die redaktionelle Linie» des Unternehmens gegeben, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Präsident Wladimir Putin sei ein «Anhänger des Meinungspluralismus». Informationsminister Alexej Wolin bezeichnete den Vorwurf der politischen Einflussnahme als «absurd». Die Rücktritte stünden im Zusammenhang mit den wirtschaftlichen Problemen des Unternehmens. (sda)