Noch vor anderthalb Monaten bezeichneten Sie das Gerücht, Sie würden Alexander Theobalds Nachfolgerin, als "Quatsch". Sie scheinen Ihre Meinung schnell geändert zu haben.
Damals stimmte das auch. Es gab zu jenem Zeitpunkt keine Gespräche. Ich hatte zwar im Frühjahr eine erste Anfrage erhalten. Aber damals wollte ich bei der Jean Frey bleiben und führte deshalb keine Gespräche. Als ich dann im Juni kündigte, ging ich davon aus, der Job bei Tamedia sei bereits vergeben, und ich plante eigentlich, mich selbständig zu machen. In dieser Phase wurde ich nochmals angefragt.
Was reizt Sie denn an der neuen Aufgabe?
Erstens die Zusammenarbeit mit Martin Kall, den ich bereits von meiner Zeit bei Ringier kenne. Kall war der Vorgesetzte, von dem ich bisher am meisten habe lernen können. Zweitens reizt mich die publizistische Dimension. Anders als bei der Jean Frey hat der kommerziell Verantwortliche im Zeitschriftenbereich der Tamedia auch publizistische Mitverantwortung. Das scheint mir auch sinnvoll, wird doch der wirtschaftliche Erfolg eines Titels primär durch die redaktionelle Leistung bestimmt. Und drittens hat ein grosses Haus wie die Tamedia auch grössere Möglichkeiten, neue Ideen umzusetzen.
Werden Sie zu einer "Über-Chefredaktorin", welche die Autonomie der einzelnen Chefredaktoren beschneidet?
Nein, das kann man so nicht sagen. Dass ein Chefredaktor einen Vorgesetzten hat, ist normal. Die Frage lautet einzig, ob die Gesamtverantwortung in einer Hand liegt und ob der Vorgesetzte sich auch für publizistische Inhalte interessiert. Ich kann hier auf meine Erfahrung als ehemalige Journalistin und Chefredaktorin zurückgreifen, die ich gern einbringe. Ich sehe mich dabei als Sparring- und Diskussionspartnerin, die Ideen einfliessen lässt und möglichst nützliche Feedbacks gibt.
Man wird nun sagen, Sie wanderten auf den Spuren Ihres Mannes Kurt W. Zimmermann, der vor Ihnen in der Tamedia-Konzernleitung sass. Was entgegnen Sie?
Ich verstehe diese Diskussion nicht. Nur weil wir verheiratet sind, haben wir noch lange nicht die gleichen Ansichten oder die gleichen Verhaltensweisen. Ich lege Wert darauf, als eigenständige Person mit eigenen Meinungen wahrgenommen zu werden.
Wenngleich der Zeitschriftenbereich der Tamedia als Ganzes inzwischen schwarz schreibt, so gilt dies doch nicht für alle Titel. Nehmen Sie den eisernen Besen mit?
Bevor ich über meinen neuen Job rede, möchte ich mir einen Überblick verschaffen und mit den Beteiligten reden.
Bislang waren Sie für die Weltwoche verantwortlich, künftig für Facts. Gibt es in Ihrem Vertrag keine Konkurrenzklausel?
Wechsel wie diesen gibt es in unserer Branche ständig. Eine Klausel, die das verbieten würde, existiert denn auch nicht. Sie wäre sowieso unsinnig.
Sie vertraten die Weltwoche mit Überzeugung gegen aussen. Können Sie sich jetzt einfach den Hut des Konkurrenten überziehen?
Wir haben die Weltwoche nach aussen nie gegen Facts verkauft -- sonst hätte ich jetzt tatsächlich ein Glaubwürdigkeitsproblem. Man kennt einfach die Stärken und Schwächen des eigenen Titels und der Konkurrenz. In Zukunft verkaufe ich eben die Stärken des bisherigen Mitbewerbers. Da sehe ich kein Problem, zumal die Titel in einem steten Wandel sind: Weder Weltwoche, noch Facts sind heute die gleichen wie vor einem Jahr.
Jean Frey kehrt zurück zu je einer Leitung für Weltwoche und Bilanz, die Fusion der Verlage wird nach Ihrem Abgang demnach wieder rückgängig gemacht. Warum?
Das müssen Sie CEO Filippo Leutenegger fragen. Tatsache ist, dass die Verlagsleitung zwar auf zwei Personen aufgeteilt, der Anzeigenverkauf aber nicht getrennt wird.
Wann wird denn Ihre Nachfolge bei der Weltwoche bekannt gegeben?
Auch das ist eine Frage, die Sie Filippo Leutenegger stellen müssen.
Sie haben bis zum Stellenantritt vier Monate Zeit. Was werden Sie bis dahin tun?
Erstens muss ich der Jean Frey bei Bedarf bis Ende Jahr für Fragen oder spezielle Aufgaben zur Verfügung stehen. Zweitens möchte ich auftanken. Und drittens habe ich ein paar private Projekte, die ich in dieser Zeit realisieren will.