Vor sechs Jahren wurde der "Beobachter" zum letzten Mal grundlegend überarbeitet. In der Zwischenzeit hat die Zeitschrift zwei sanfte Optimierungen und einen Besitzerwechsel hinter sich. Nach zweijähriger Zugehörigkeit zu Axel Springer Schweiz erscheint das Heft am 6. Februar 2009 nun umfassend überarbeitet. An das neue Design wurden auch die Beilagen wie "Beobachter Geld" angepasst. Gleichzeitig startet mit dem "Beobachter Natur" die "grüne" Line-Extension der Konsumenten- und Beraterzeitschrift.
'Natur' will nicht mit dem Zeigfinger anrichten
Im Juni dieses Jahres berichtete "persoenlich.com" exklusiv über die Absicht von Axel Springer Schweiz, einen "grünen Beobachter" zum Thema Natur zu lancieren. Nun steht der Start unmittelbar bevor. Allerdings wird der "Beobachter Natur" vorerst nur viermal pro Jahr erscheinen. "Wir haben das Heft ursprünglich für eine höhere Erscheinungs-Frequenz geplant, aber die aktuelle Wirtschaftslage hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht", sagt Remo Leupin, Projekt- und Redaktionsleiter des "Beobachter Natur". Eine Erhöhung der Ausgabenzahl werde als Fernziel aber immer noch aufrecht erhalten.
"Beobachter Natur" ist als eigenständige Zeitschrift konzipiert und wird am Kiosk auch einzeln zu kaufen sein. Abonnieren kann man das neue Heft aber nur zusammen mit dem "Beobachter". Die "Natur"-Ausgabe wird unter der Leitung von Remo Leupin vom bestehenden "Beobachter"-Team erarbeitet. Zusätzlich wird mit freien Journalisten zusammengearbeitet.
Inhaltlich will das Heft auf die Themen Natur und Umwelt setzen. Dabei soll laut Balz Hosang, Publizistischer Leiter beim "Beobachter", nutzwert- und lösungsorientiert berichtet werden: "Wir wollen die Natur wirklich zum Thema machen." Es soll auch eine bestimmte umweltpolitische Komponente vermittelt werden. "Wir geben aber kein grünes Kampfblatt heraus", stellt Leupin klar. Zeige man mit dem erhobenen Finger auf die Probleme, schrecke das nur ab. "Die Leser sollen sich nicht als Umweltsünder fühlen." Punkten wolle man mit populärwissenschaftlichen Geschichten, die die Leser überraschen.
'Jetzt machen die auch noch ein Lohas-Heftli'
Das neue Heft befasst sich auch mit dem grünen Lifestyle und stellt nachhaltige Produkte vor. "Wir produzieren aber nicht einfach ein Nachhaltigkeits-Heftli, nur weil es jetzt in Mode ist", sagt Hosang. Damit spricht er die Zielgruppe der Lohas (Lifestyle of Health and Sustainability) an, die in der Werbewelt zurzeit in aller Munde ist und bei der "Schweizer Illustrierten" als primäre Zielgruppe für die "SI Gruen" angesehen wird. "Die Marke 'Beobachter' darf nicht beschädigt werden, darum muss die Qualität auch beim 'Beobachter Natur' stimmen", so Hosang.
Trotzdem ist natürlich auch der "grüne Bobachter" auf Werbeeinnahmen angewiesen und darum sind Hosang und Leupin momentan bei den Medienagenturen auf Road Show. Laut Hosang war bei vielen Werbern zunächst nur ein Gedanke zu spühren: "Jetzt machen die auch noch ein Lohas-Heftli." Die Zweifel seien dann aber bei der Präsentation schnell einem Erstaunen gewichen. So seien die Media-Leute positiv überrascht gewesen von der Stilsicherheit und der Bildmächtigkeit des "Beobachter Natur".
Es ist denn auch erklärte Strategie, die neue Zeitschrift auch über die Bildstrecken zu verkaufen. Leupin: "Die Optik ist sehr wichtig. Wer über die Umwelt schreibt, muss sie auch zeigen." Der grosszügige Umgang mit Bildern sei denn auch beim Testpublikum sehr gut angekommen.
'Beobachter' von grünem Bruder infiziert
Mit einer verbesserten Bildsprache wartet künftig auch der "Beobachter" auf. Bei der Neugestaltung der Zeitschrift wurde die gleiche klare Handschrift angestrebt wie auch bei der "Natur"-Ausgabe. "Journalistische Tiefgründigkeit schliesst Sinnlichkeit und eine schöne Optik nicht aus", ist Hosang überzeugt. Der "Beobachter" will seinen News-Magazin-Charakter betonen und gleichzeitig seine Qualität als Ratgebermagazin und Familienzeitschrift bewahren. Verbessert wird die Leserführung und Dramaturgie des Heftes, das Layout ist klarer und moderner.
Relaunch im Internet bereits vollzogen
Bereits sichtbar ist der Relaunch im Netz. Die neue "Beobachter"-Website ist jetzt schon online, der Internetauftritt von "Beobachter Natur" wird Anfang Januar, noch vor dem Printstart der neuen Zeitschrift, in die bestehende Website integriert. Verschiedene Funktionen binden die Besucher von beobachter.ch noch stärker in die Website ein.
User können einzelne Artikel kommentieren und Ratgeber-Bücher innerhalb des Shopbereichs bewerten. In den erfolgreichen Online-Foren haben User nach dem Relaunch die Möglichkeit, sich mit einem Foto zu präsentieren und anderen Besuchern eine Nachricht zukommen zu lassen. Zudem steht das Archiv ab sofort auch Nicht-Mitgliedern kostenfrei zur Verfügung und bietet Artikel aus der Printausgabe bis zum Jahr 1995.
(Text: Stefan Wyss)