Unabhängige Regionalzeitungen verschwinden

Zeitungslandschaft 2025 - Wenige Medienhäuser teilen sich den Kuchen.

Dr. René Grossenbacher, Publicom AG, hat an der Publicitas Verlegertagungdie Schweizer Zeitungslandschaft des Jahres 2025 skizziert. Unabhängige Regionalzeitungen gibt es nicht mehr, nur noch wenige Medienhäuser existieren.

Grossenbacher zeigte in seinem Referat die Problematik der Regionalzeitungen anhand der Schweizer Kommunikationsräume und ihrer Entwicklung auf. Kommunikationsräume definierte Grossenbacher dabei als lokal-regionale Räume, in denen die sozialen Beziehungen des Publikums ablaufen, als enge Heimat sozusagen. Für ihn ist klar, dass Regionalzeitungen das Heimatgefühl für die Bewohner eines bestimmten Kommunikationsraumes besser transportieren, als eine Grosszeitung. Dies weil die Regionalzeitung viel mehr Lokalbezüge durch alle Ressorts herstellen könne. Dies könne eine Grosszeitung weder mit publizistischem Mehraufwand noch durch Marketing wettmachen. Dem Grossen bleibe nur der Weg, den Kleinen zu kaufen.

Diese Kommunikationsräume bezeichnet Grossenbacher als "Schutzzonen" für lokale Medien. Grossen Entwicklungen könne man sich aber nicht entziehen. Es sei ein Bedeutungsverlust von abonnierten Tageszeitungen festzustellen. In zwei Dritteln aller Kommunikationsräume sei es zu einer Schwächung der Hauptzeitung gekommen. Der Bedeutungsverlust sei einerseits durch Strategiefehler der Verlage verursacht, rühre aber auch daher, dass sich die Wahrnehmungsmuster des Publikums, vor allem der jungen Leute, verändert hätten.

Haupttreiber dieser Entwicklung sei die Mobilität, die zur Tendenz von grösseren räumlichen Einheiten führe. Arbeit und Freizeit konzentriere sich auf wenige Zentren wie Zürich, Basel, Bern oder Lausanne. Habe es 1993 noch 71 Kommunikationsräume gegeben, seien es heute nur noch 65. Aber auch neue Printmedien wie 20 Minuten oder das Internet machen gemäss Grossenbacher den abonnierten Tageszeitungen das Leben schwer. Grossenbacher glaubt sogar, dass die Regionalzeitung durch die Entwicklung in den Kommunikationsräumen verzichtbar wird, denn die klassische Regionalzeitung könne die neuen Anforderungen nicht erfüllen.

Es erstaunt daher nicht, dass sein Zukunftsausblick für die Regionalzeitungen düstere Aussichten zeigt. Nach Meinung Grossenbachers verschwinden die regionalen Tageszeitungen oder verlieren ihre Unabhängigkeit. Er sieht einen Trend zu gross-regionalen Zeitungssystemen. Die Bedeutung der regionalen Tageszeitungen werde weiter rückläufig sein. Das Interesse an lokaler Kommunikation bleibe aber stabil oder nehme sogar zu. Dadurch entstehe im regionalen Bereich Raum für Medien-Innovation.

In Grossenbachers Bild der Zeitungslandschaft im Jahr 2025 bedrängt das Zielgruppen-Denken das räumliche Denken, was für mehrere sprachregionale Zielgruppen-Zeitungen spreche. Der wirtschaftliche Druck auf die Regionalzeitungen führe dazu, dass es bis dann nur noch ca. 8 überregionale Zeitungssysteme, aufgeteilt auf 4-5 Medienhäuser, geben werde. Da durch diese Konzentration die regionalen Märkte nicht optimal erschlossen werden können, entsteht laut Grossenbacher Platz für neue Formen im lokalen Raum. Er hält 80-100 lokale Mikrozeitungen für möglich.