Für die verdeckte Recherche schlüpfte ein junger deutscher Aktivist der Initiative Taxmenow unter dem Alias «Elia Weiss» in die Rolle eines Millionenerben. Begleitet wurde er von einem ehemaligen Privatbanker als vermeintlichem Vermögensberater «Stefan Hoffmann» sowie zeitweise von einem WOZ-Journalisten, der sich als Assistent ausgab. Die Gruppe tourte eine Woche lang durch die Schweiz – von Gstaad über Uri bis nach Zürich und Bern.
Die Undercover-Journalisten stellten «Weiss» als Erben einer norddeutschen Industriedynastie mit einem Millionenvermögen dar, der aus Deutschland wegziehen und von der Schweizer Pauschalbesteuerung profitieren wolle. Nach 18 Anfragen bei Banken, Kanzleien, Vermögensberatern und Steuerämtern kam es zu sieben Treffen, die aufgezeichnet wurden, wie es in einem ausführlichen Artikel in der WOZ heisst.
Rechtfertigung der Methode
Die WOZ begründet ihr verdecktes Vorgehen mit den Richtlinien des Schweizer Presserats, wonach solche Recherchen zulässig sind, «wenn ein überwiegendes öffentliches Interesse an den recherchierten Informationen besteht und diese auf anderem Weg nicht zu beschaffen sind». Als Anlass nennt die Zeitung die bevorstehende Abstimmung über die Erbschaftssteuer-Initiative am 30. November.
Die Recherche dokumentierte Gespräche mit Vermögensberatern in Gstaad, einer Zürcher Privatbank und dem Steueramt des Kantons Uri. Dabei wurden verschiedene Aussagen zu Steuertricks, zur Wahl des Wohnkantons und zur Berechnung der Pauschalsteuer aufgezeichnet.
Zur Wahrung des Persönlichkeitsschutzes nennt die WOZ keine Namen der beteiligten Personen und Institutionen – mit Ausnahme des Urner Steueramtsvorstehers Pius Imholz, der auf Anfrage zu den Aussagen seines Mitarbeiters Stellung nahm.
Die Recherche wurde durch den Recherchierfonds des Fördervereins ProWOZ ermöglicht und in Zusammenarbeit mit der Rechercheplattform Correctiv.Schweiz durchgeführt. (cbe)