"Ungeduld ist mein Erfolgsrezept"

Photo14 - Fotograf Sandro Bäbler über seinen Agenten-Trailer "Advantage".

Vor weniger als drei Jahren hat sich der Glarner Sandro Bäbler selbständig gemacht. Mittlerweile ist der 28-Jährige ein gefragter Fotograf: Er bekommt regelmässig Aufträge von namhaften Magazinen und Modefirmen und hatte sogar schon Harrison Ford vor der Linse. An der Photo14, die am Donnerstag im Zürcher Maag Areal mit einer Vernissage eröffnet wird, präsentiert er sein neustes Werk: den Agenten-Trailer "Advantage" mit dazugehöriger Fotostrecke. persoenlich.com hat er verraten, weshalb er lieber Männer als Frauen porträtiert und warum es für einen Fotografen immer wichtiger wird, auch kleinere Filme produzieren zu können. 

Herr Bäbler, an der "photo12" durften Sie erstmals einige Ihrer Arbeiten präsentieren, jetzt sind Sie erneut dabei: Welche Bedeutung hat dieser Anlass für Sie?
Im Jahr 2012 hatte ich mich erst gerade als Fotograf selbständig gemacht. Damals war es die perfekte Plattform, um auf mich aufmerksam zu machen. Man erreicht an diesem Anlass viel mehr Leute, als an einer Ausstellung, die man alleine in einem kleinen Rahmen realisiert. Zudem konnte ich vor Ort Kontakte knüpfen. Im Verlauf des Jahres kamen immer wieder konkrete Anfragen von Personen, die meine Fotos an der Ausstellung gesehen hatten.

Sie fotografieren erst seit rund zweieinhalb Jahren und waren damals ein absoluter Quereinsteiger. Jetzt fotografieren Sie für Kunden wie Swarovski und haben sogar Harrison Ford abgelichtet. Sie haben in kurzer Zeit das erreicht, wovon andere jahrelang träumen. Wie erklären Sie sich Ihren Erfolg?
Mein Erfolgsrezept ist die Ungeduld. Wenn ich eine Idee habe, dann setze ich sie um. Wenn ich nach Paris möchte, gehe ich einfach und zögere nicht. Ich wohne seit März mehr oder weniger dort und mache Porträts für verschiedene Magazine. Auch in Kapstadt, wo ich nun regelmässig arbeite, hatte ich die Möglichkeit, für die Magazine "Elle", "GQ" und "Men’sHealth" zu arbeiten. Eine Agentin, die ich vorher nicht kannte, hat mich angefragt. Sie fand, dass meine Art der Fotografie gut nach Kapstadt passen würde. Ein anderer Fotograf hatte mich ihr empfohlen. Hier spielt das Menschliche eine wichtige Rolle: Wenn man sympathisch rüberkommt, wird man eher empfohlen und hat dadurch auch Erfolg.

Sie haben sich das Fotografieren selber beigebracht: Bringen teure Fotografie-Ausbildungen und Kurse überhaupt etwas?
Ob eine Ausbildung etwas bringt, kommt auf den Typ Mensch an. Ich habe in meinem Architekturstudium gemerkt, dass ich keine Lust habe, mir Wissen aneignen zu müssen, das ich später nicht mehr brauche. Manche Menschen hören gerne zu und lassen sich Zeit mit ihren Projekten. Dann ist eine Ausbildung sicher das Richtige. Ich sage nicht, dass mein Weg der beste und einzig wahre ist. Aber: Viele junge Kreative könnten es genauso schaffen wie ich, trauen sich aber nicht. Wir werden viel zu früh in eine Struktur hineingepresst. Dazu gehört, dass man zuerst eine Ausbildung macht. Wer vom klassischen Weg abweichen will, wird oft verunsichert. Das ging mir genauso: Ich wusste nicht, ob ich über die Runden kommen werde.

Gutes Stichwort. Viele freie Fotografen leben mehr schlecht als recht von ihrer Arbeit. Ihnen scheint es ganz gut zu gehen.
Ja. Ich kann gut davon leben und es hat von Anfang an funktioniert. Zu Beginn hatte ich Mühe, weil die Aufträge immer sehr unregelmässig reinkommen. Einmal erhielt ich zwei Monate lang kein einziges Mail und danach plötzlich alles gleichzeitig. Man muss lernen, damit umzugehen und diese Zeit zu nutzen, um sein Portfolio aufzufrischen. Ich geniesse es, frei zu sein und selber zu entscheiden, was ich machen möchte.

Ihre aktuelle Arbeit, die Sie an der Photo14 zeigen, haben Sie ohne einen Auftraggeber realisiert. Sie erinnert an einen Agenten-Thriller à la James Bond.
Das stimmt. Ich habe Lust, irgendwann Fotos für Filmplakate zu machen. Ich habe diese Arbeit gemacht, um mich der Thematik zu nähern. Es ist keine reine Porträtarbeit, sondern eine fiktive Geschichte, die ich erzählen möchte. Da das Setting sowieso schon wie in einem Film aussah, habe ich entschieden, gleich noch einen kurzen Film zu drehen. Ich habe das Konzept gemacht, mein Cousin ist Kameramann. Der Schauspieler im Trailer stammt aus Paris. Der Aufwand für dieses Projekt, bei dem ich alles selber organisieren und aus der eigenen Tasche bezahlen musste, war gross: Über zehn Personen waren involviert. Ich musste den Schauspieler von Portugal einfliegen lassen, weil er dort gerade in den Ferien war, zudem muss bei einem solchen Projekt das Wetter stimmen. Ich will mit diesem Agentenfilm-Trailer zeigen, zu was ich fähig wäre, wenn ich die Chance dazu bekommen würde. Ich habe viel gelernt und möchte mich nun auch im Filmbereich weiterbilden.

Warum ist es für Sie als Fotograf wichtig, auch Filme produzieren zu können?
Wenn ich mein Buch bei Werbeagenturen zeige, kommt oft die Frage, ob ich auch kurze Filme realisieren könne. Durch das Internet und die technische Entwicklung der Kameras, die inzwischen alle filmen können, sind diese zwei Disziplinen verschmolzen. Das wird heute verlangt. Ich will mit diesem Projekt zeigen, dass ich auch Filme realisieren kann oder zumindest ein Team habe, welches ich für einen grösseren Film aufbieten könnte. Ein Auftraggeber will nicht zwei unterschiedliche Teams engagieren, da die Fotos und dazugehörige Filme im gleichen Stil gemacht sein sollten und die Kosten sonst zu gross sind. Ich hoffe natürlich, dass ich durch die Präsentation meiner Arbeit an der Photo14 mehr und auch breitere Angebote bekomme.

Bislang fotografierten Sie vor allem Menschen und vorwiegend Männer: Warum diese Vorliebe für "das weniger schöne Geschlecht"?
Man darf die Männer tatsächlich auch weniger schön darstellen. Frauen wollen auf Bildern gut und hübsch aussehen. Wenn Männer Ecken und Kanten haben, stehen sie dazu, auch wenn ihr Gesicht nicht dem Ideal entspricht. Als Porträtfotograf will ich die Realität abbilden. Viele Frauen wollen das nicht. Ich zeige gerne Personen mit Charakter, denen man ansieht, dass sie schon etwas erlebt haben.

Welches Shooting wird Ihnen noch lange in Erinnerung bleiben?
Jenes mit Harrison Ford. Ich war noch nie so nervös, wie in dem Moment, als ich ihn für das Zurich Film Festival fotografieren durfte. Sobald ich aber am Fotografieren bin, vergesse ich, dass ich einen Promi vor mir habe. Mühsam ist nur, dass sie meistens Bodyguards und andere Personen dabei haben, die einen unterbrechen oder ablenken.

Wen möchten Sie unbedingt noch fotografieren?
Das sind so viele Personen. Gerne hätte ich Nelson Mandela fotografiert, ich war sogar in Südafrika, als er gestorben ist. Generell möchte ich Personen porträtieren, die etwas geleistet haben, das für die Menschheit von Bedeutung ist. 

Interview: Seraina Etter


Die Ausstellung "Photo" ist die grösste Werkschau für Schweizer Fotografie. Jährlich zeigen über 120 Fotografen in fünf Hallen auf dem Zürcher Maag Areal in Zürich aktuelle Arbeiten. Die photo verschafft einen repräsentativen und aktuellen Überblick über das fotografische Schaffen der Schweiz. Im letzten Jahr lockten die Bilder von insgesamt 152 Fotografen und die Referate internationaler Fotografie-Grössen 17'500 Besucher an die photo. Damit hat sie sich in acht Jahren zur grössten Werkschau für Fotografie in Europa entwickelt. Weitere Infos zum Anlass gibt es auf photo-schweiz.ch.

Weitere Arbeiten von Sandro Bäbler können Sie sich auf sandrobaebler.com anschauen, das aktuelle Projekt stellt er auf advantage-movie.com vor.