Ungewisse Zeiten nach Schirrmachers Tod

FAZ - "Spiegel" berichtet über Schwierigkeiten beim Traditionsblatt.

Nach dem plötzlichen Tod von Frank Schirrmacher, für das Feuilleton verantwortlicher Mitherausgeber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", herrscht beim Traditionsblatt Unsicherheit, wie der "Spiegel" in seiner neusten Ausgabe berichtet.

Günther Nonnenmacher, einer der anderen vier Mitherausgeber, hat bis Ende Jahr Schirrmachers Position übernommen und sucht einen Nachfolger. Der Neue solle weder Redaktionsmanager noch "Grossintellektueller, der das Amt des Herausgebers als Nebenerwerb begreift und hauptsächlich seine Bücher verkaufen will" sein.

Als mögliche Kandidaten nennt das Nachrichtenmagazin neben Feuilletonchef Nils Minkmar auch Florian Illies - früher Feuilletonredaktor bei der FAZ, Gründer des Kunstmagazins "Monopol", Feuilletonchef bei der "Zeit", Bestseller-Autor und momentan beim Auktionshaus Grisebach - und Felicitas von Lovenberg, bei der FAZ verantwortliche Redaktorin für Literatur und literarisches Leben und Moderatorin der SWR-Sendung "lesenswert".

Grösse Krise seit der Gründung
Ausserdem ist von wirtschaftlichen Schwierigkeiten die Rede: Die Zeitung durchleide eine der grössten Krisen seit ihrer Gründung 1949, seit drei Jahren schreibe sie rote Zahlen, momentan angeblich eine Million Euro pro Monat. Auch das Modell mit den - bis anhin fünf, bald nur noch 4 - Herausgebern erschwere gerade in schlechten Zeiten die Führung der Zeitung.

Der seit Januar amtierende Geschäftsführer Thomas Lindner hat für 2016 schwarze Zahlen angekündigt und mehrere Berater, darunter von Roland Berger, ins Unternehmen geholt. Trotz grossen Reserven in der FAZIT-Stiftung, der die Zeitung mehrheitlich gehört, suche man mittlerweile aber endlich auch das Geschäft im Internet, für das seit letztem Herbst der ehemaligen "Spiegel"-Chefredaktor Mathias Müller von Blumencron zuständig ist. (lmy)

Bild: Keystone