Im April hatte das Tauziehen um die Westschweizer Tageszeitung "Le Temps" ein Ende. Ringier übernahm die Anteile von Tamedia, was zunächst weitgehend als positiv empfunden wurde. Nun herrsche in der Romandie aber dennoch Unruhe, wie die NZZ am Donnerstag schreibt.
Demnach berichtete das Westschweizer Radio im Juli, dass die Redaktion der Traditionszeitung von Genf nach Lausanne verlegt und mit dem Wochenmagazin "L’Hebdo" in einen gemeinsamen Newsroom gesteckt werde. Ringier soll so Synergien zwischen ihren beiden Titeln nutzen wollen.
Damit sollen laut NZZ auch Einsparungen in der Höhe von drei Millionen Franken verbunden sein, was die Streichung von 15 redaktionellen Stellen zur Folge hätte. Die Zeitung würde fortan gerade noch 57 Journalisten beschäftigen. 1998 waren noch deren 140 angestellt.
"Herzensangelegenheit" oder Laster?
Ringier hatte im April bei der Übernahme noch beteuert, dass "Le Temps" für das Unternehmen eine "Herzensangelegenheit" sei und man "bereit ist zu investieren" (persoenlich.com berichtete). Und genau diese Investitionen fordert nun auch das Westschweizer Publikum, nicht zuletzt der "Freundeskreis" der Zeitung, der "Cercle des Amis du Temps". Darin haben sich prominente Vertreter aus Wirtschaft, Kultur und anderen Segmenten zusammen geschlossen - ein klares Zeichen für die grosse Solidarität gegenüber der Zeitung.
Die französischsprachige Schweiz brauche "Le Temps", um in der Deutschschweiz wahrgenommen zu werden, wird der Essayist François Cherix in der NZZ zitiert. Auch Eric Hoessli, der erste "Le Temps"-Chefredaktor, bekräftigt, dass die Tageszeitung überlebenswichtig für die Region sei. Sie ermögliche der Westschweiz, ihre eigene Sicht auf die Schweizer Politik verbreiten zu können.
Wie die tatsächliche Strategie von Ringier bezüglich "Le Temps" aussieht, wird das Verlagshaus erst nach dem definitiven Bericht der Weko bekannt geben, wie Mediensprecher Edi Estermann gegenüber persoenlich.com bestätigte. Dieser wird in den kommenden Wochen erwartet. In einer Mitteilung vom Juli hiess es zudem, dass man nach den Schulferien die Gespräche mit den einzelnen Redaktionen suchen werde (persoenlich.com berichtete). Ein erster "interner Austausch" zwischen der Redaktion von "Le Temps" und dem Ringier Management habe laut Estermann bereits stattgefunden. (ml/NZZ)
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