Herr Burgener, dank Ihnen kommt Michael Steiners "Sennentuntschi" ins Kino. Wie fühlen Sie sich kurz vor dem Filmstart?
"Sennentuntschi" eröffnete das Zurich Film Festival. Das war eine grosse Ehre für uns, aber in erster Linie natürlich für den Regisseur Michael Steiner. Ich halte grosse Stücke auf ihn, er ist sehr talentiert. "Sennentuntschi" ist nach meinem Geschmack sein bester Film bisher. Ich bin sehr stolz.
Ursprünglich wollten Sie mit "Sennentuntschi" das Filmfestival in Venedig, Pusan (Südkorea) oder Toronto eröffnen. Warum klappte es nicht?
Wir hatten uns vorsorglich für diese Festivals beworben. Persönlich war ich aber immer der Ansicht, dass ein Schweizer Film zuerst in der Heimat Fuss fassen sollte. Als dann das Angebot von Zürich kam, fand ich das perfekt und konnte auch Michael Steiner davon überzeugen.
Über "Sennentuntschi" wurde im Vorfeld viel geschrieben. Vor allem die finanziellen Schwierigkeiten bei der Realisierung des Films sorgten für Negativschlagzeilen. Kann der Film bei den Kritikern die positive Wende herbeiführen?
Es ist wie beim Wetter: Einmal regnet es, dann scheint wieder die Sonne. Über Michael Steiner fiel viel starker Regen. Er hat nun schönes Wetter verdient. Es zeichnet ihn aus, dass er trotz massiver Schwierigkeiten nie aufgab. Er hat das Drehbuch grossartig umgesetzt. Alle Schauspieler und Crewmitglieder erhielten ihre Gagen und auch alle Sozialleistungen wie AHV, SUVA und Pensionskassen wurden voll bezahlt.
Nun sind also alle happy?
Sagen wir es so: Es ist alles gut aufgegleist. Das letzte Wort hat das Publikum; es entscheidet über den Erfolg oder Misserfolg von "Sennentuntschi". Der beste Film mit den besten Kritiken bringt nichts, wenn die Leute für ihn nicht ins Kino gehen.
Sie führen mit Constantin den besten deutschsprachigen Filmproduzenten, haben Sie einen Riecher für Kassenschlager?
1963 sah ich meinen ersten Film in einem Basler Kino. Ich erinnere mich daran, wie wenn es heute wäre. Es war "Winnetou" in Schwarz-Weiss. Die Geschichte elektrisierte mich; ich geriet in einen unbeschreiblichen Bilderrausch. Seither fühle ich mich zur Filmwelt hingezogen, sie und ich, wir gehören zusammen. Es war sozusagen Liebe auf den ersten Blick.
Die Leidenschaft allein macht noch keinen erfolgreichen Film. Welches ist Ihr Erfolgsrezept?
Ich denke, das Erfolgsrezept von Constantin Film liegt in der Bewunderung für die Künstler. Bei uns dürfen sie sich verwirklichen und sich wohlfühlen. Wir haben Vertrauen in sie und lassen sie machen. Seien das Produzenten wie Bernd Eichinger, Christian Becker oder Günther Rohrbach: Wir unterstützen sie genau so weit, wie sie das von uns wollen und brauchen. In ihrem Metier haben sie grosse Freiheiten, wir sorgen lediglich dafür, dass die Finanzen stimmen. Für das "Parfum" konnte ich beispielsweise Gigi Oeri als Co-Produzentin gewinnen. Sie sehen mich äusserst selten an Filmpremieren oder auf dem Set. Wenn ich dort auftauche, nehmen mich die Akteure meist gar nicht wahr. Das ist auch richtig so.
Was zeichnet dann Constantin aus?
Wir setzen mit Constantin auf eine starke Marke. Sie zeichnet sich auf der Produzentenseite aus durch grosse Brands, also Namen, die jeder kennt. Bei den Filmproduktionen muss zudem der Stoff, das Buch selbst ein Brand sein wie beispielsweise "Der Name der Rose", "Das Parfum" oder "Wickie". Wir machen zudem Familienentertainment. Das heisst, die ganze Familie soll sich vom Inhalt angesprochen fühlen. Daher müssen es Themen sein, zu denen Jung und Alt einen Bezug hat.
Wie gross ist Ihr Einfluss auf den Regisseur und auf die Besetzung der Filmrollen?
Ein ganzes Gremium nimmt darauf Einfluss. Zuerst müssen wir uns den Stoff sichern und den passenden Regisseur finden. Dann wird das Projekt durchgerechnet, und wenn alle Faktoren stimmen, bekommen wir grünes Licht. Es sind viele Stimmen involviert, ich kann die hier nicht alle aufzählen.
Das heisst, Sie selbst halten sich eher zurück?
Ich suche mir Leute aus, die es viel besser können als ich. Sie haben mein Vertrauen und du¨rfen in der Regel ohne mein Einmischen ihren Job machen. Dies ist meine Philosophie. Bisher ging sie immer auf. Meine Eltern sagten mir einmal, ich solle die Augen und Ohren offen halten und jeden Tag etwas Neues lernen. Daran halte ich mich noch heute.
Gab es in Ihrer Karriere auch schon Flops?
Natürlich. Immer wieder! Wir bringen im Schnitt zehn Filme ins Kino, darunter sind dann vielleicht zwei Ausbrecher. Letztes Jahr hatten wir Glück: Wir konnten in Deutschland bei sechs Filmen jeweils u¨ber eine Million Kinobesucher verbuchen. Das war eine Ausnahme!
Sie vermarkten ganz grosse Sachen wie die UEFA Champions League oder den Eurovision Song Contest. Wie zogen Sie diese Projekte an Land?
Ich hatte auch immer wieder Fortune und glaubte stets an den Erfolg. Ich kämpfte für vieles jahrelang, und irgendwann zahlte es sich aus!
Sie kauften mit Highlight die Aktien von Constantin vom Medienmogul Leo Kirch ab. Zuerst u¨bernahmen Sie 23 Prozent, heute gehört die Firma der Highlight-Gruppe zu 100 Prozent. Heute arbeiten Sie bei den Constantin Medien wieder mit Leo Kirch zusammen. Was verbindet Sie, wie stark ist sein Einfluss?
Dazu gibt es eine lustige Anekdote. Vor rund zwei Jahren fragte mich Herr Kirch, ob ich für ihn die Constantin Medien führen würde, mit den Worten: "Vor fünf Jahren glaubte ich, einen Dummen gefunden zu haben, der die Constantin-Anteile übernimmt, und nun muss ich feststellen, dass seither die Constantin Jahr für Jahr Gewinne erzielt." Ich habe ihm dann zugesagt und am 1. September 2008 als Vorstandsvorsitzender bei der Constantin Medien AG begonnen.
Wie viel redet Leo Kirch mit?
Er ist mit der KF 15 als Aktionär und mit Dieter Hahn im Aufsichtsrat vertreten. Von daher ist er involviert. Darüber bin ich froh und ich schätze ihn sehr. Leo Kirch drückte mir sein Vertrauen aus. Ich meinerseits stockte soeben meine Aktien von 5 auf 5,9 Prozent auf. Das zeigt, dass ich selbst voll und ganz hinter den Constantin Medien stehe.
Mit welcher Strategie überzeugen Sie als Geschäftsführer?
Das Wichtigste sind für mich die Mitarbeiter. Ich will, dass sie sich wohlfühlen und dass sie langfristig angestellt bleiben. Dann lege ich Wert auf einen föderalistischen Aufbau. Ich vertraue meinen Mitarbeitern, und wenn es Probleme gibt, will ich das als Erster erfahren. Weiter bin ich vorsichtig bei Akquisitionen. Seit elf Jahren sind wir mit der Highlight- Gruppe an der Börse. In dieser Zeit tätigten wir lediglich vier Akquisitionen, aber jede entwickelte sich zu einer Erfolgsgeschichte. Und dann pflege ich auch eine gute Zusammenarbeit mit den Banken. Ohne sie geht gar nichts, ihnen habe ich viel zu verdanken. Was mich selbst betrifft, so bin ich gern im Hintergrund. Meine letzte Medienkonferenz vor "Sennentuntschi" im Februar war vor elf Jahren beim Börsengang. Jetzt katapultierte mich "Sennentuntschi" in die Medien. Aber das mag ich nicht. Es geht nicht um mich, sondern um unser Produkt und seine Stars. Die gehören in die Öffentlichkeit.
(Interview: Matthias Ackeret)
Das vollständige Interview lesen Sie in der Oktober-Ausgabe von "persönlich".