"Unser Titel ist Programm"

Philippe Pfister - Interview mit dem neuen "News"-Chefredaktor.

Herr Pfister, die Gratiszeitung "News" wird zu 80 Prozent aus Agenturmeldungen bestehen. Wie kann sich das Blatt da gegenüber der starken Konkurrenz wie 20 Minuten und Punkt.ch durchsetzen?

Die Zeitspanne, in der die Leute am Morgen aufmerksam und aufnahmefähig sind, ist sehr kurz. Sie wollen erstens News, zweitens News und drittens News. Wir glauben, dass die Aufbereitung der Meldungen -- die natürlich vor allem von den Nachrichtenagenturen stammen -- darüber entscheidet, ob das Produkt erfolgreich sein wird. Ist diese herausragend, werden wir gelesen. Allein das zählt.

Weshalb sollte der Leser zu einem reinen Agenturnews-Produkt greifen, wenn in der Box nebenan praktisch eine Komlettzeitung aufliegt?

Erstens sind wir kein reines Agenturnews-Produkt. Und zweitens bin ich der Auffassung, dass eine weitere Pendlerzeitung, die sich an ein älteres Publikum richtet, das an relevanten Nachrichten interessiert ist, ein fokussierteres Produkt lesen will. Noch einmal eine Komplettzeitung anzubieten, wäre bestimmt der falsche Weg.

Ist "News" mehr als ein Copy/Paste-Produkt?

Absolut. Man geht oft viel zu rasch über den Umstand hinweg, wie journalistisch anspruchsvoll es sein kann, eine gut gewichtete, relevante News-Aufbereitung zu erreichen.

Verzichtet das Blatt völlig auf Eigenrecherche?

Keineswegs. Wir werden versuchen, punktuell eigene Geschichten zu recherchieren. Es soll durchaus so sein, dass wir so häufig wie möglich mit einer exklusiven Geschichte auf der Frontseite aufmachen. Man muss allerdings sehen, dass es nicht möglich sein wird, mit der bestehenden Mannschaft jeden Tag eine Primeur auf dem Titel zu haben.

Gilt die Konzentration auf News nur in einer Übergangsphase?

Nein. Ein anderes Konzept kann ich mir nicht vorstellen. Ich bin überzeugt, dass wir uns wegen des kleinen Budgets und auch wegen der Situation, in welcher die Zeitung gelesen wird, auf das Kerngeschäft beschränken müssen. Die Ideen des Verlags stimmen mit den meinen also vollkommen überein. Unser Titel ist Programm.

Wen erachten sie als Hauptkonkurrenten des Blatts? Punkt.ch?

Ich will allein dafür sorgen, dass die Boxen am Morgen leer sind. Alles andere spielt keine Rolle.

Wie eng arbeiten Sie mit den drei abonnierten Tageszeitungen Tages-Anzeiger, BZ und BaZ zusammen?

Wir tauschen uns natürlich auf Blattmacher-Ebene aus. Dies geschieht über die Anrisse, die wir für die abonnierten Zeitungen im Blatt haben. Und sporadisch führen wir Gespräche mit dem redaktionellen Beirat, der aus Mitgliedern der der drei Chefredaktionen besteht. Ansonsten ist News ein eigenständiger Titel. Uns redet keiner der Chefredaktoren der grossen Tageszeitungen drein.

In der Planungsphase stand auch ein "Best-of-"Kompaktmodell der Tages-Zeitungen zur Diskussion. Bedauern Sie, dass Sie keine Inhalte von den Kaufzeitungen übernehmen dürfen?

Nein, gar nicht. Denn damit würde alles viel zu kompliziert. Stellen Sie sich vor, der Tages-Anzeiger-Journalist Constantin Seibt schreibt über eine Pressekonferenz 150 Zeilen im Tages-Anzeiger. Wer kürzt den Text? Wir oder Herr Seibt? Mir ist wichtig, dass wir allein über die Gewichtung und Auswahl der Themen entscheiden. Nur unter dieser Bedingung war ich bereit, den Chefredaktorenposten von News zu übernehmen.

(Interview: David Vonplon)