"Unsere Kernkompetenz muss Zürich sein"

- Aus Hitradio Z wird ab 15. August Energy Zürich. Morgenmoderator wird Radio-Kultfigur Roman Kilchsperger. Der Zürcher Lokalsender will jugendlicher und trendiger werden -- erklärte Zielgruppe sind die 15- bis 34-Jährigen. Themenschwerpunkt soll Zürich sein, was sogar so weit gehen könnte, dass die News künftig in Schweizerdeutsch moderiert werden, wie Geschäftsleiter Jürg Bachmann und Marketing- und Programmleiter Dani Büchi (Bild r.) im Interview mit "persoenlich.com" verraten.

Aus Radio Z wurde Hitradio Z, ab Mitte August heisst der Sender Energy Zürich. Was ändert sich für den Hörer?

Bachmann: Energy Zürich definiert sich als das erfrischend junge Radio für Zürich. Keine Superlative mehr, keine "besten", "schnellsten" und "grössten", weg vom Übertriebenen, -- zurück zur Normalität und damit zur Professionalität und Sympathie, heisst jetzt die Devise. Angestrebt ist eine starke lokale Verankerung in Zürich, wie ja auch bereits der Name impliziert. Gleichzeitig soll das Programm auch vom Energy-Netz profitieren.

Was konkret heisst?

Büchi: Zunächst wollen wir die Hörer in die Welt der Stars entführen, das heisst, wir ermöglichen ihnen Konzertbesuche und Begegnungen mit Stars, zu denen der Zugang nur über ein internationales Netzwerk möglich ist. Geplant sind also Promotionen, bei denen Tickets zu gewinnen sind für internationale Konzerte wie zum Beispiel Eminem in Paris oder Robbie Williams in London. Weiter lancieren wir in Zürich Privatkonzerte mit Weltstars. Die Tickets dazu wird es natürlich exklusiv bei Energy Zürich geben. Ein weiteres Highlight sind die Energy Music Awards, die jährlich in Cannes vergeben werden. Hörer von Energy Zürich werden die Möglichkeit erhalten, live mit dabei zu sein. Ein weiteres Goodie aus dem Energy-Netzwerk sind die Euro-Hot 30, eine international zusammengestellte Hitparade. Einen ersten Eindruck, was man künftig von uns erwarten kann, wird im übrigen unsere Marketingkampagne zeigen, die ab 11. August das Zürcher Stadtbild prägen wird.

"Radio für Zürich" -- das kennt man doch schon von Radio 24?

Büchi: Kein Problem: Wir wollen ein junges, frisches Programm machen für eine junge, urbane Zielgruppe, die sich mit Zürich identifiziert. Das ist neu. Energy Zürich heisst "viel Züri, jungi Musik", um es auf Züridütsch zu sagen.

"Hit music only" heisst die neue Devise. Das tönt stark nach dem üblichen Einheitsbrei...

Büchi: Was ist schon ein Hit? Für uns bedeutet "Hit music only", dass wir die besten Titel der letzten 10 Jahre spielen. Zudem auch jene Musik spielen, die man auf anderen Stationen vermisst. Zur Erläuterung: Die Anderen spielen beispielsweise einen Hit erst dann, wenn ihn achtzig Prozent der Hörer kennen, wir spielen ihn früher. Wer einen Hit zuerst hören will, muss künftig Energy Zürich hören. Eminem als Beispiel spielt in Zürich niemand -- wir spielen ihn.

Die Privatradios haben bei den letzten Hörerzahlen nahezu alle verloren -- sind denn Hits überhaupt noch gefragt?

Bachmann: Abgesehen von Fragwürdigkeiten der Messmethode beruht der Rückgang wahrscheinlich darauf, dass viele Sender das Gleiche gemacht haben und sich nur in Nuancen voneinander unterscheiden. Jeder beharrt auf seiner Position. Musikstile und Vorlieben ändern aber nun einmal -- schneller, als wir Radiomacher das wahrhaben wollen. Daher sind wir auch davon überzeugt, dass es Zeit ist für einen neuen Wind. Die Hörerzahlen von Hitradio Z waren nicht gut, daran ist nichts zu rütteln. Mit unserer neuen Programmausrichtung, die auch mehr Aktualitätsbezug aufweist, wird sich das aber bestimmt ändern.

Energy Zürich ist meines Wissens der einzige Energy-Sender mit einer lokalen Bezeichnung. Warum diese Abweichung?

Bachmann: Im Vorfeld der Planung haben wir zahlreiche Energy-Stationen besucht und gesehen, dass sich alle stark voneinander unterscheiden, bzw. immer auf die lokalen Bedürfnisse und Märkte ausgerichtet sind. Auch Energy Zürich ist darum kein Filialradio, unser Produkt entsteht zu 100 Prozent an der Kreuzstrasse 26 hier in Zürich. Es wurde hier geplant und konnte von der fachlichen Unterstützung des Energy-Netzwerkes. Im Mittelpunkt stehen Zürich und die Zürcher und alle, die sich in Zürich wohlfühlen. Das wird sich im übrigen auch in den Nachrichten manifestieren, wo Meldungen aus dem Grossraum Zürich eine grössere Bedeutung erhalten werden. Es zeigt sich oft genug, dass die Hörer bei international Wichtigem zu den öffentlich-rechtlichen Stationen wechseln. Unsere Kernkompetenz muss daher Zürich sein und wir überlegen uns, die News künftig auf Schweizerdeutsch zu moderieren.

Radio 24 hat schon immer stark auf Nachrichten gesetzt...

Büchi: Richtig, aber damit alleine vergibt man sich viele Chancen ...

Mit Roman Kilchsperger haben Sie sogar einen ehemaligen Radio 24-Mann angeheuert...

Büchi: In erster Linie haben wir den besten Morgenshow-Moderator der Schweiz verpflichtet (lacht). Roman ist eine enorme Radiokultfigur mit einem grossen Fanclub. So jemanden wie ihn kann man nicht einfach neu erfinden. Und ich bin mir sicher, dass viele Hörer, die zurzeit weder Radio 24 noch uns hören, wegen ihm Energy Zürich einstellen werden. Sicher gibt es auch Roman-Fans, die zu Energy Zürich wechseln werden. Aber abgesehen davon ist die Morgenshow nur ein Teil des Programms, wenn auch ein wichtiger...

Was bedeutet die Neuausrichtung für die Crew?

Büchi: Nun, wenn Sie bei uns im Büro wären, würden Sie spüren, dass unsere Leute heute vor Stolz und Tatendrang geradezu fliegen! (lacht). Wir stehen voll hinter unserem Team, das extrem motiviert ist und wir sind wirklich stolz auf den Geist, den wir in den letzten paar Monaten entwickelt haben. Personelle Veränderungen wird es keine geben; eventuell stocken wir neben Kilchsperger noch um ein, zwei weitere Stellen auf.

In Zürich soll demnächst eine weitere Radiofrequenz vergeben werden. Hat es überhaupt noch Platz im Markt?

Bachmann: Wenn sich der Sender explizit an die unter 15-Jährigen richtet, sich als Nischenprojekt definiert, dann ja. Mit unserem Umschwung, der sicherlich gewagt aber auch mutig ist, wird nun wieder einiges in Bewegung kommen -- wir sind gespannt, was in der Radioszene jetzt weiter abgeht...