Unternehmen testet den Einstieg ins Verlegerfach

Post - Pilotphase für eine individuelle Zeitung verlängert.

Währenddem die Verleger darüber rätseln, wie sie die Leser von abonnierten Zeitungen am besten bei der Stange bzw. am Papier halten können, läuft ihnen vielleicht bald die Schweizerische Post den Rang ab. Gerade wurde die Pilotphase für eine individuell zusammenstellbare Zeitung verlängert. Noch sind die Verleger mit an Bord, aber bei einer definitiven Markteinführung sicher nur, wenn sie dabei auch etwas verdienen. Die Hintergründe:

Die neuesten Leserzahlen werden zwar erst in einer Woche veröffentlicht, aber man muss kein Prophet sein, um zu ahnen, dass die abonnierten Zeitungen nicht massenhaft Leser dazu gewonnen haben. In einer Zeit, in der die Bezahlzeitungen gegen Gratisblätter und das Internet antreten, versucht sich vielleicht bald auch die Schweizerische Post als Zeitungsherausgeberin.

Die Post will durch ein flexibles Zeitungsangebot ihr Angebot erweitern. Momentan läuft unter dem Namen "PersonalNews" ein Pilotversuch, in welchem Testpersonen ihre Zeitung aus Inhalten von 20 in- und ausländischen Blättern nach Wunsch zusammenstellen können. Diese individuelle Zeitung wird dann am Morgen druckfrisch nach Hause geliefert. Wer es wünscht, kann die "PersonalNews" auch in elektronischer Form bestellen.

Ursprünglich sollte die Testphase von Dezember 2008 bis Ende Februar 2009 dauern. Aufgrund der grossen Nachfrage, hat sich die Post aber entschieden, den Pilotversuch bis Ende März zu verlängern. "Es haben sich mehr als 1000 Personen für den Testbetrieb eingeschrieben", erklärt Post-Sprecher Mariano Masserini auf Anfrage von "persoenlich.com". Allerdings erhalten nur 50 davon die "PersonalNews" wirklich gedruckt zugestellt, die anderen müssen mit der E-Paper Ausgabe vorlieb nehmen.

Interesse lässt nicht auf Marktpotential schliessen

Mit der Pilotphase möchte die Schweizerische Post herausfinden, welches Marktpotential in einer individualisierten Zeitung steckt. Nur aus dem relativ grossen Interesse am Testbetrieb einen möglichen Markterfolg abzulesen, wäre sicher falsch. Die "PersonalNews" sind nämlich während der Testphase gratis zu beziehen, ebenso stellen die teilnehmenden Zeitungen ihre Inhalte der Post gratis zur Verfügung.

Damit sind die wohl entscheidenden Kriterien erst einmal ausgeklammert. Post-Sprecher Masserini räumt ein, dass die Abgeltung der Verleger ein wichtiger Bestandteil der Diskussion vor einem Markteintritt wäre. Ebenfalls müsse genau geklärt werden, wie viel die Leute für ein flexibles Zeitungsangebot zu bezahlen bereit sind. Und da hat die Post selber schon verlauten lassen, dass der Preis für ein Abonnement der "PersonalNews" höher zu stehen käme als bei einer Tageszeitung. Grund seien die Druckkosten.

Natürlich haben auch die Verleger ein Interesse daran, dass ihre kostenpflichtigen Inhalte nicht über einen anderen Kanal zu Dumpingpreisen angeboten werden. Laut Post sollen die "PersonalNews" den Verlagen zwar eine Ergänzung für den Vertrieb bieten, aber es Bestünde ja auch die Gefahr, dass Kunden der "PersonalNews" ihr reguläres Zeitungsabonnement künden.

Tamedia mit dem "Tages-Anzeiger" und "Die Südostschweiz" nehmen am Pilotversuch der Post teil. Allerdings scheint man in beiden Medienhäusern vom Marktpotential der "PersonalNews" nicht überzeugt zu sein. Sowohl Tamedia-Sprecher Christoph Zimmer als auch "Südostschweiz"-Verleger Hanspeter Lebrument sprechen gegenüber "persoenlich.com" von der Möglichkeit, eines "interessanten Nischenangebots". An die Massentauglichkeit scheint man also nicht zu glauben.

Im Gegensatz zu Google arbeitet Post mit Verlegern zusammen

Lebrument und Zimmer machen auch klar, dass für die Verleger ein solches Angebot nicht attraktiv ist, wenn das Geschäft für die Zeitungen nicht lukrativ gestaltet werden kann. Die Abgeltung für die Urheberrechte wäre ein zentraler Knackpunkt. Lebrument freut sich aber, dass die Post bei ihrem Projekt die Verleger von Anfang an einbezieht: "Schön wäre es, wenn mal jemand von Google gefragt hätte."

Damit spielt der Präsident des Verbandes Schweizer Presse auf den Zwist der Verleger mit Google News an. Im Streit um die Verwendung von Nachrichten von Schweizer Medien durch Google wurde zwar vor einiger Zeit eine Annäherung erzielt, die Vorstellungen gingen aber immer noch weit auseinander. Darauf angesprochen, ob die Verleger inzwischen vor dem Suchmaschinenriesen kapituliert haben meint Lebrument: "Sagen wir, die Gespräche mit Google sind eingeschlafen."

Schlussendlich eine Frage der Kosten

Ob die Post die individuelle Zeitung je schweizweit anbietet und wie viel sie kosten würde, soll die Auswertung der Testphase zeigen. Bietet die Schweizerische Post eine Zeitung an, hat sie den grossen Vorteil, dass sie bereits über ein perfektes Vertriebsnetz verfügt. Allerdings würden die Abgeltung der Urheberrechte und der Druck erhebliche Kosten verursachen. Wird dadurch der Abonnementspreis zu hoch, dürfte das die Chancen auf dem Lesermarkt deutlich reduzieren.

Die Analyse des Tests wird die Post zusammen mit der Höheren Fachschule für Wirtschaft in Aarau (HFW Aarau) vornehmen. Die Ergebnisse dürften laut Post-Sprecher Masserini erst in mehreren Monaten vorliegen. Falls die Post also tatsächlich zur Verlegerin wird, dann sicher nicht von heute auf morgen.

(Text: Stefan Wyss)

'PersonalNews' vom 16. März 2009

Dieser Leser hat u.a. die folgenden Inhalte individuell Ausgewählt:

Die Internationalen Meldungen der spanischen Zeitung "La Voz de Galicia"

Die "Kehrseite" des "Tages-Anzeigers"

Die Comics der "Washington Post"