US-Journalist kritisiert Diskriminierung Homosexueller

Russland - Beschimpfung vor laufender Kamera.

Vor laufender Kamera hat der US-Journalist James Kirchick im russischen TV die Diskriminierung Homosexueller kritisiert. Er könne nicht schweigen im Angesicht des Bösen, sagte der homosexuelle Reporter, der am Mittwoch auf dem englischsprachigen Staatskanal RT auftrat. Kirchick trug Hosenträger in Regenbogenfarben. Nach heftiger Kritik am russischen Parlament, Präsident Wladimir Putin und unkritischen Medien wurde der aus Stockholm zugeschaltete Journalist ausgeblendet.

"Hier, auf diesem vom Kreml geschaffenen Propagandasender, werde ich meine Gay-Pride-Hosenträger tragen und dieses schreckliche Gesetz verurteilen, das Präsident Wladimir Putin unterzeichnet und die russische Duma verabschiedet hat", sagte Kirchick.

Der Journalist sollte in der Talkrunde des Senders eigentlich zum US-Justizurteil gegen den Wikileaks-Informanten Bradley Manning befragt werden, doch stattdessen habe er lieber "über die furchtbare Atmosphäre der Homophobie" in Russland sprechen wollen, sagte Kirchick.

Kirchick griff auch die RT-Journalisten an und fragte die Moderatorin, wie sie und ihre Kollegen überhaupt nachts schlafen könnten. "Sie lügen 24 Stunden lang über die Ereignisse in den Vereinigten Staaten, ignorieren aber, was sich in Russland abspielt", schimpfte Kirchick.

Zwei Minuten der Wahrheit
"Ich werde mir zwei Minuten nehmen, um die Wahrheit zu sagen." Die sichtlich perplexe Moderatorin versuchte ihn mehrfach zu unterbrechen, bevor er schliesslich aus der Gesprächsrunde flog.

Russland steht seit Monaten in der Kritik wegen einem Gesetz, das positive Äusserungen über Homosexualität in Anwesenheit von Minderjährigen oder über Medien wie das Internet unter Strafe stellt.

Der britische Schauspieler Stephen Fry, der dazu aufgerufen hatte, Russland wegen des umstrittenen Gesetzes die Olympischen Winterspiele 2014 zu entziehen, begrüsste am Donnerstag im Kurznachrichtendienst Twitter die "wunderbaren" Äusserungen Kirchicks als "genau das, was es brauchte". (sda)