US-Republikaner fordern nach Enthauptung Strategie gegen IS

Syrien - Weisses Haus bestätigt derweil, dass auf dem Video Journalist Sotloff zu sehen ist.

Nach dem Bekenntnis der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zur Enthauptung eines zweiten US-Journalisten haben die Republikaner im Kongress in Washington eine klare Strategie gegen die Dschihadisten verlangt. Frankreich verurteilte die Tat als "abscheulich".

US-Präsident Barack Obama müsse "der amerikanischen Bevölkerung und dem Kongress erklären, wie wir mit dieser Bedrohung umgehen", sagte der Vorsitzende des Ausschusses für Auswärtige Angelegenheiten im Repräsentantenhaus, Ed Royce, am Dienstag in einer Telefonkonferenz mit Journalisten.
 
Royce kündigte an, Aussenminister John Kerry in der kommenden Woche vor seinem Ausschuss zu den Plänen der Regierung befragen zu wollen. Obama brach am Dienstag zu seiner Reise nach Estland und zum NATO-Gipfel in Wales auf, ohne sich vor dem Abflug öffentlich zu dem Hinrichtungsvideo zu äussern.
 
Nach Angaben des auf die Überwachung islamistischer Webseiten spezialisierten US-Unternehmens Site veröffentlichten die Dschihadisten am Dienstag ein Video, das die Enthauptung des vor einem Jahr im Norden Syriens verschleppten Reporters Steven Sotloff zeigen soll.
 
Weisses Haus bestätigt Echtheit des Videos
Das Weisse Haus hat am Mittwoch die Echtheit des Videos betätigt.
 
Eine Analyse durch Geheimdienstexperten habe erbracht, dass das Video authentisch sei, sagte die Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrates, Caitlin Hayden. Sotloff war im vergangenen Jahr im Norden Syriens verschleppt worden. Vergangenen Monat hatten die IS-Kämpfer bereits den US-Journalisten James Foley enthauptet und am 19. August ein Video von der Tat ins Internet gestellt.
 
Anschliessend hatten die Dschihadisten auch mit der Ermordung von Sotloff gedroht, sollten die USA ihre Luftangriffe auf IS-Stellungen im Nordirak nicht einstellen. Diese Drohung machten sie nun war, der Titel des neuen Videos lautete: "Zweite Botschaft an die Amerikaner."
 
"Wenn es echt ist, dann sind wir angewidert von diesem brutalen Akt", hatte US- Aussenamtssprecherin Jen Psaki am Dienstag erklärt, als die Aufnahme noch überprüft wurde. "Unser Mitgefühl gilt Sotloffs Familie".
 
Der britische Premierminister David Cameron erklärte, die Aufnahmen würden eine "absolut ekelhafte, verachtenswerte Tat" zeigen. Er berief am Mittwoch eine Krisensitzung seines Sicherheitskabinetts ein, da auch ein Brite vom IS als
Geisel festgehalten wird.
 
Familie trauert
Sotloffs Familie bestätigte in einer Erklärung ebenfalls indirekt die Echtheit des neuen Videos. "Die Familie weiss um diese schreckliche Tragödie und trauert im Kreis der Angehörigen", heisst es in einer kurzen Stellungnahme. "Während dieser schwierigen Zeit wird es keine öffentlichen Äusserungen der Familie geben."
 
Sotloffs Mutter hatte den IS-Anführer Abu Bakr al-Bagdadi kürzlich in einem Video noch um Gnade für ihren 31-jährigen Sohn gebeten. Der Reporter stammt aus Miami im US-Bundesstaat Florida. Als freier Mitarbeiter schrieb er unter anderem für die Zeitschrift "Time", die Wochenzeitung "Christian Science Monitor" und das Magazin "Foreign Policy".
 
"Wir sind schockiert und betrübt über die Berichte über den Tod von Steven Sotloff", sagte "Time"-Chefredakteurin Nancy Gibbs. Der Journalist habe "sein Leben gegeben, damit Leser Zugang zu Informationen aus einigen der gefährlichsten Orten der Welt haben". Der für den Nahen Osten zuständige Redaktor bei "Foreign Policy", David Kenner, nannte Sotloff einen "tapferen und talentierten Reporter".
 
"Die gleiche Barbarei"
"Reporter ohne Grenzen" zeigte sich in einer Mitteilung schockiert. Wie bei der ersten Tat vor zwei Wochen sei es "die gleiche Prozedur, die gleiche Barbarei", hiess es in einer Mitteilung in der Journalistenorganisation in Paris.
 
Auch Frankreichs Präsident François Hollande verurteilte die angebliche Enthauptung als abscheulich. Wenn die Berichte über die Exekution bestätigt würden, zeige dieser barbarische Akt den schändlichen Charakter der Organisation. Hollande sprach nach Angaben des Élysée von Dienstagabend von einer Herausforderung der Freiheit durch den Terror.
 
Die IS-Kämpfer haben ganze Landstriche im Nordirak und in Syrien unter ihre Kontrolle gebracht und dort ein "Kalifat" ausgerufen. Die radikalen Sunniten gehen mit grosser Brutalität gegen Andersgläubige vor. (sda)