Die Genfer Staatsanwaltschaft hat ein Verfahren wegen Rassendiskriminierung gegen das Westschweizer Fernsehen eingestellt. Ein Radio-Moderator hatte als Gast im Kulturtalk "Tard pour bar" den französischen Komiker Dieudonné "Neger" genannt.
Die Aussagen des Moderators Pascal Bernheim seien zwar unangemessen und ungeschickt gewesen, kommt Generalstaatsanwalt Daniel Zappelli zum Schluss, wie das Westschweizer Fernsehen in einer Mitteilung vom Donnerstag schreibt. Da der Moderator sie jedoch in einer Sendung gemacht habe, die die Grenzen des Humors auslote, seien diese Worte als Scherz gedacht gewesen und strafrechtlich nicht relevant.
Die Klage gegen den Moderator der Sendung, Michel Zendali, den Programmdirektor Gilles Pache und den Moderator Pascal Bernheim war von der afrikanischen Kulturvereinigung Kasaï eingereicht worden.
Umstrittener Komiker
In dem Kulturtalk war es um die Frage gegangen, ob der französische Komiker Dieudonné Humor oder Politik mache. Bernheim machte den Einwurf "Er ist halt ein Neger" nachdem ein anderer Gast gesagt hatte, ihm scheine Dieudonné sei "zu wenig pfiffig", um diese Gratwanderung zu beherrschen. Bernheim selbst hatte sich darauf im Internet für seine "rassistische Äusserung" entschuldigt.
Die Affäre ist mit der Einstellung des Strafverfahrens allerdings noch nicht zu Ende. Ein Schlichtungsverfahren zwischen dem französischen Komiker Dieudonné und der TSR war am Mittwochabend ohne Resultat geblieben. Dieudonné, ein umstrittener französischer Komiker mit afrikanischen Wurzeln, setzt sich mit seinen Programmen oftmals dem Antisemitismusvorwurf aus. Er spielt gerne Holocaust und Antisemitismus gegen Sklaverei und Rassismus gegen Schwarze aus. Auch hat er jüngst Holocaust-Leugner in sein Programm eingeladen.
'Neger' in Satiresendung
Ebenfalls um den Begriff "Neger" war es in einem Fall gegangen, den die unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen (UBI) im Dezember zu behandeln hatte. Die UBI hatte damals eine Beanstandung gegen eine Radiosendung zurückgewiesen, in der es um Barack Obama ging.
Obama war - vor seiner Wahl zum US-Präsidenten - in der Sendung "Zweierleier" von Radio DRS 1 in einem fiktiven Gespräch zweier Schweizer Touristinnen auf einem Campingplatz in Italien als "Neger" bezeichnet worden. Ein Hörer hatte dies beanstandet. (sda)