"Die PubliGroupe hat uns die über sie vermittelten Inserateeinnahmen vom Januar bis heute unter einem Vorwand nicht fristgemäss bezahlt", erklärt Hagemann auf Anfrage. Was der Verleger nicht sagt, "persoenlich.com" aber bekannt ist: Es geht um eine einen ausstehenden Betrag in der Höhe von rund 2.5 Millionen Franken. Hagemann wirft der Publicitas, einem Tochterunternehmen der PubliGroupe, zu der der seit kurzem auch die persönlich Verlags AG gehört, "klare Verstösse" gegen das geltende Gesetz vor. "Es stellen sich laut unserem Rechtsdienst Fragen vertraglicher, aber auch wettbewerbsrechtlicher Natur." Die Geschäftsleitung will dem Verwaltungsrat entsprechende Anträge an der nächsten Sitzung im April unterbreiten. Denkbar ist, dass die BZM gegen die Publicitas eine Zivilklage einreicht, oder sich an die Wettbewerbskommission wenden wird.
Es ist dies nicht der erste Vorfall, der zeigt, wie weit sich die beiden zuvor über Jahrzehnte partnerschaftlich verbundenen Unternehmen voneinander entfernt haben. Im Januar versprach die "P" Basel ihren Kunden Konto-Bonifikationen von bis zu 3 Prozent, wenn diese nicht direkt über die BZM ihre Werbeaufträge abwickeln, sondern über die P-Filiale. Nachdem die "Werbewoche" über den umstrittenen Treuebonus der Publicitas berichtet hatte, stoppte Thomas Bargetzi, CEO von Publicitas Sales Schweiz, die Bonifikationen umgehend. Einzelne verunsicherte Verleger hatten zuvor bei der Publicitas darüber Auskunft verlangt, ob diese mit ihren Verpflichtungen punkto Tariftreue noch nachkäme oder nicht. Schon damals erklärte BZM-CEO Beat Meyer in einem Interview mit der "Werbewoche", man erwäge juristische Schritte gegen die Publicitas. Er stützte sich dabei auf einen Vertrag für die Inseratekommission. Darin wird die "P" verpflichtet, am Markt die Originaltarife der BZM-Titel anzuwenden.
Die Publicitas selbst macht auf Anfrage von "persoenlich.com" keine Angaben, weshalb sie der BZM die Inserateeinnahmen vom Januar für die "Basler Zeitung" und den "Basler Stab" nicht fristgerecht bezahlt hat. Laut Recherchen von "persoenlich.com" berief sich die Publicitas in einem Schreiben an die BZM darauf, es würden erhebliche Differenzen bestehen über die Höhe der über sie vermittelten Werbeaufträge. Erst nach einer Klärung sollte die Zahlung erfolgen. Was dem Hickhack eine fast schon absurde Note verleiht: Die PubliGroupe ist mit 37 Prozent selbst an der BZM beteiligt, PubliGroupe-CFO Andreas Schmidt VR-Mitglied bei den BZM.
Beide Unternehmen werfen sich auf Anfrage von "persoenlich.com" gegenseitig vor, sich um das Wohl des Medienhauses zu foutieren. "Man müsste annehmen, dass die PubliGroupe angesichts der Minderheitsbeteiligung an der BZM ein Interesse daran hätte, sich so zu verhalten, dass der Wert des Unternehmens steigt. Offenbar ist diese Erkenntnis aber nicht in alle Sphären des Unternehmens vorgedrungen", wettert Hagemann. Bargetzi hält der BZM im Gegenzug vor, einen ruinösen Preiskampf zu betreiben: "Die BZM macht teilweise Preiskonzessionen, die nicht in unserem Sinn sein können. Das hilft nicht, den Unternehmenswert zu stützen. Wir werden dies in der nächsten Sitzung des Verwaltungsrats der BZM zur Sprache bringen."
Bargetzi betont, dass die Publicitas nichts unternehme, was illegal sei, oder gegen geltende Verträge verstosse: "Das wäre nicht in unserem Sinne". Wenn die BZM nun aber versuche über die Fachpresse Druck zu machen, sei dies nicht Ausdruck eines Verhaltens, wie es die Publicitas an den Tag legen würde. Er hat in Gesprächen mit seinen Mitarbeitern festgestellt, dass bei der BZM "eine gewisse Aversion gegen die Publicitas" bestehe. "Wir wollen aber nicht mit der selben Härte zurückschlagen. Wir wollen auf dem Markt unsere Leistung bringen", so Bargetzi.
Dass der Streit dazu führen könnte, dass die Publicitas ihre Minderheitsbeteiligung an der BZM mittelfristig abstösst, erscheint heute zumindest nicht mehr unwahrscheinlich. Macht es angesichts der Verhärtung der Fronten für die "P" überhaupt noch Sinn, eine Drittelsbeteiligung an der BZM zu halten? Bargetzi mag sich gegenüber "persoenlich.com" nicht zu dieser Frage äussern. Er hofft, dass es zur Entschärfung der Lage beiträgt, dass die Publicitas in diesen Tagen aus dem Gebäude der BZM auszieht.
(Text: David Vonplon)