"Ruhiger als erwartet", so beschrieb der "Zürcher Oberländer" am Freitag auf der Website den Verlauf der ordentlichen Generalversammlung (GV) seines Mutterhauses Zürcher Oberland Medien (ZOM). Weil ZOM-Grossaktionärin NZZ ihren 38-Prozent-Anteil an Tamedia verkaufen will, war im Vorfeld mit Protest der 500 ZOM-Aktionäre, grossteils FDP-Mitglieder, gerechnet worden. Dass ein solcher offenbar ausblieb, hat wohl nicht zuletzt damit zu tun, dass die Tamedia-Spitze gegenüber den Aktionären das Versprechen aussprach, die Eigenständigkeit des publizistischen Kurses der ZOM zu respektieren. Dies jedenfalls berichtete "ZO-Online". Andere Medien waren von der GV ausgeschlossen. So habe etwa Tamedia-CEO Martin Kall gesagt, er stelle sich eine "Zusammenarbeit" mit "Geben und Nehmen" vor. Konkret habe Kall die Möglichkeit angedeutet, künftig auf eine Grossauflage des "Tages-Anzeigers" zu verzichten. Neben Kall sprach auch Tamedia-Verwaltungsratspräsident Pietro Supino vor den zahlreich erschienenen ZOM-Aktionären in Hinwil.
Damit Tamedia den NZZ-Anteil übernehmen kann, ist vorgängig eine Änderung der ZOM-Statuten nötig, ferner muss der ZOM-Verwaltungsrat der Handänderung zustimmen. An der ordentlichen GV vom Freitag wurden zu diesen Themen aber noch keine Beschlüsse gefasst, es wird dafür eine ausserordentliche GV einberaumt ("persoenlich.com" berichtete). Dennoch war die GV natürlich dazu geeignet, etwas über die Stimmungslage der ZOM-Aktionäre zu erfahren.
Neben Protesten gegen Tamedia war auch mit gehässigen Worte gegen Theodor Gut, Verleger der Zürichsee-Zeitung (ZSZ) und ZOM-Aktionär, gerechnet worden. Denn mit dem ZSZ-Verkauf hatte Gut auch den Verkauf des NZZ-Anteils bei der ZOM ins Rollen gebracht. Im Bericht auf "ZO-online" war Gut aber nicht erwähnt, ebenso wenig der NZZ-Vertreter, NZZ-Verlagsleiter Daniel Hofer. Die beiden ZOM-Grossaktionäre scheinen also glimpflich davon gekommen zu sein. Oder hatten sie es vorgezogen, sich an der GV gar nicht erst zu zeigen? Immerhin enthält der ZOM-Jahresbericht einige kritische Zeilen über die beiden Grossaktionäre. Wörtlich heisst es dort: "Die angestrebte Intensivierung der Kooperationen unter den drei Zürcher Landzeitungen (gemeint sind der ZO, die Zürichsee-Zeitung und der Zürcher Unterländer) kam im Berichtsjahr nicht vom Fleck.
Das Projekt, welches eine Verlagsgemeinschaft Zürich Land unter dem Einfluss der Neuen Zürcher Zeitung vorsah, wurde Ende Jahr abgebrochen, nachdem die Besitzerfamilie der Zürichsee Medien AG, welche die Mehrheit an der Zürichsee-Zeitung hält, bekanntgab, dass sie verschiedene Varianten einer Veräusserung ihres 60-Prozent-Pakets prüfen wolle." Das 2009 war "eines der turbulentesten in der Geschichte der ZOM", hiess es weiter auf "ZO-online". Es brachte einen starken Umsatzrückgang von 1,15 Millionen auf 25,8 Millionen Franken, einen schmerzhaften Stellenabbau, gegen Ende des Jahres aber auch den Turnaround und sogar wieder einen kleinen Gewinn von 276 000 Franken. Ein schönes Ergebnis angesichts der Tatsache, dass der Konzern im 2008 noch mit einem Verlust von 132 000 Franken abgeschlossen hatte.
Doch die Zahlen waren an der diesjährigen ZOM-GV offenbar sekundär. Der Anlass sei ganz im Schatten der Umwälzung in der Zürcher Presselandschaft gestanden, hiess es auf "ZO-online". Umso mehr, als der Verwaltungsrat den Aktionären reinen Wein eingeschenkt hatte. Obwohl die ZOM relativ gut dastehe, sei dennoch "die Rendite für eine nachhaltige Zukunftssicherung zu knapp", war dort zu lesen. Und weiter: "Darum ist eine Intensivierung der Kooperationen mit ähnlich gelagerten Zeitungsunternehmen zwingend nötig, sei es im Rahmen des Zürich-Land-Verbundes oder - falls sich dieser auflösen sollte - mit anderen Partnern."
(Text: Markus Knöpfli)