Verlagstalk mit Kall, Büchi und Stäheli

IAA - Verlage, Verleger, verlegen, verlegt.

Ringier vermählt sich in Osteuropa mit Axel Springer. Steht auch in der Schweiz eine grosse Hochzeit bevor? Tamedia sichert sich ein Monopol rund um den Zürichsee. Geht nun in der grössten Wirtschaftsregion der Schweiz die Medienvielfalt flöten? Und die NZZ wird stark im Schweizer Osten. Der Not gehorchend oder steckt da eine Strategie dahinter, die einige kritische Kommentatoren nicht verstanden haben? Und wie gehen grossen Verlagshäuser mit der Herausforderung der digitalen Medienzukunft um?

Zu diesen Fragen diskutierten am IAA-Talk am Montag unter dem Titel "Verlage, Verleger, verlegen, verlegt" Martin Kall, CEO Tamedia, Ralph Büchi, Präsident Axel Springer International und Albert P. Stäheli, CEO NZZ-Gruppe. Moderiert wurde der Anlass im Restaurant Metropol von Kaspar Loeb, CEO Saatchi & Saatchi Schweiz.

Als erster Redner sprach Ralph Büchi. Für den Springer-Manager existiert nicht bei allen Medienhäusern eine Krise. Axel Springer konnte laut Büchi beispielsweise eigene Spuren setzen und auf Rekordergebnisse zurückblicken. Künftig spielen für Axel Springer die starken Printmarken und neuen Vermarktungskanäle eine wichtige Rolle. Der Schlüssel zum Erfolg sei allerdings die Kreativität. Von Gratiskultur hält Büchi wenig. Sein Credo: "Paid content ist keine Option, sondern existentielle Notwendigkeit."

Weniger enthusiastisch referierte NZZ-Chef Albert P. Stäheli. Er legte die Karten gleich zu Beginn offen auf den Tisch. Der Zustand der NZZ Gruppe sei schlimmer gewesen, als er sich das vor seinem Antritt als CEO vorgestellt habe. Vor einem Jahr sei die Situation besonders schlimm gewesen, als man rund 50 Millionen Franken weniger im Anzeigenverkauf einnahm. Die damals über Nacht beschlossenen Sparmassnahmen hätten heute ihr positive Wirkung. Stäheli blickt zuverischtlich in die Zukunft, in der die NZZ Gruppe sich zu einem einheitlichen Medienunternehmen formiere. Man werde künftig die Gruppe noch zentraler führen und die Marke NZZ als auch den digitalen Bereich ausbauen. Stäheli glaubt nach wie vor an die Gattung Print. Interessant war seine Formulierung, dass die NZZ punkto Qualitätsjournalismus ein Sonderfall und keine Dividendengesellschaft sei.

Als dritter Verlagsmanager sprach Tamdia-Chef Martin Kall vor versammelter Branche. Für Kall werde in der Öffentlichkeit zu pauschal über Zeitungen geurteilt. Dabei sei das Zeitunglesen trotz voranschreitenden Digitalisierung äusserst beliebt. Vor allem die Jungen würden Zeitungen konsumieren. Interessant war ein Zahlenvergleich Kalls. Er rechnete vor, dass die Nutzung der Gratiszeitung "20 Minuten" um ein Vielfaches höher liegt als beim Onlineauftritt 20min.ch.

v.l.n.r: Albert P. Stäheli (NZZ-Gruppe), Kaspar Loeb (Saatchi & Saatchi Schweiz), Ralph Büchi (Axel Springer International), Martin Kall (Tamedia).