Verleger Michael Ringier zum Ergebnis.

Ringier - "Das ist tatsächlich ein sehr kleiner Gewinn."

22.8 Millionen Gewinn: Das ist nicht sehr viel für ein Milliarden-Unternehmen. An der Jahresmedienkonferenz vom Mittwoch erklärte Ringier-Verwaltungsratspräsident Michael Ringier warum es 2011 so schlecht lief. persoenlich.com hat mit ihm über Sparpotential, den Abgang von Ex-CEO Christian Unger und die Politikberichterstattung beim "Blick" gesprochen. Zum Interview:

Herr Ringier, Sie sagten vorhin: "Unser Unternehmen war noch nie so herausgefordert wie jetzt". Was genau meinten Sie damit?

Es sind eine Reihe von Faktoren, die uns zu schaffen machen. Der starke Franken bewirkt zum einen, dass unsere Gewinne aus Osteuropa weniger Wert sind und zum anderen, dass die Swissprinters-Druckerei in Zofingen weniger Auslandaufträge mehr bekommt. Deshalb mussten wir eine Swissprinters-Druckerei schliessen, was sicher nicht erfreulich ist, jedoch rückblickend absolut nötig und daher die richtige Entscheidung. Ausserdem investieren wir in neue Geschäfte, dies kostet viel Geld. Diese ganze Palette an verschiedenen Faktoren führte zu diesem Gewinnrückgang.

Der Gewinn beträgt nur 22.8 Millionen Franken. Das ist sehr wenig bei 1.1 Milliarden Umsatz.

Ja, das ist tatsächlich ein sehr kleiner Gewinn. Das sehen wir Aktionäre auch so.

Zahlt sich die Familie Ringier eine Dividende aus?

Ja, das tun wir. Sie liegt im unteren Bereich dessen, was Medienunternehmen normalerweise als Dividende auszahlen.

Wie hoch ist sie?

Darüber haben wir noch nie konkrete Aussagen gemacht. Daher werde ich auch heute nichts dazu sagen.

Ein wichtiges Thema momentan ist der sehr überraschende Abgang von Christian Unger, welcher am späten Gründonnerstag mit einer auffällig dünnen Medienmitteilung mitgeteilt wurde. Warum musste Herr Unger gehen?

Christian Unger hat sich nach drei Jahren als CEO von Ringier entschieden, das Unternehmen zu verlassen. Die Medienmitteilung wurde in Absprache mit Christian Unger verfasst, so dass er seine Erklärung einbringen konnte. Den Zeitpunkt des Versands haben wir so gewählt, weil wir den neuen CEO noch vor der Jahresmedienkonferenz ankündigen wollten. Deshalb haben wir die Mitteilung kurz vor Ostern versendet.

Sprechen wir über den "Blick": Sie sagten, dass sich die Politik-Berichterstattung verbessern wollten. Was genau unternahmen Sie?

Der Blick hat sich in Sachen Politik-Berichterstattung bereits sehr stark verbessert. Das sehen Sie, wenn Sie die Seiten zwei und drei aufschlagen. Blick hat meine Anregungen gut aufgenommen. Er investiert in gute Journalisten und sucht auch weiterhin noch gute Leute für das Politik-Ressort. Mag sein, dass dies dazu führte, dass der Blick zusätzliche Leser gewonnen hat. Wir werden hier sicher weiterhin investieren.

Wie intensiv ist der Austausch zwischen Ihnen und den Verantwortlichen beim "Blick"?

Wir stehen ständig in Gesprächen, denn über Journalismus muss man sich immer wieder und anhand konkreter Geschichten unterhalten. Über diese ständige Diskussion verändert sich der Journalismus und unter Umständen auch unsere Blätter.

Was halten Sie von der Publikation der Bilder beim Busunfall im Wallis?

Ich war nicht hier, sondern im Ausland, als dieses Busunglück passiert ist. Wir diskutierten diese Angelegenheit am Telefon und ich habe den Fall übers Internet sehr genau mitverfolgt. An sich hat Blick hierbei seine Aufgabe absolut richtig erfüllt. Im Nachhinein wurde der Redaktion extrem vieles unterschoben, das gar nicht der Realität entspricht. Dies war eine sehr schwierige Geschichte und Blick hat das sehr pietätvoll und so zurückhaltend wie möglich gemacht. Vorgängig wurde bei den Beteiligten das Einverständnis eingeholt.

"Blick" sollte somit ähnliche Geschichten wieder so handhaben.

Man kann hier keine generelle Regelung aufstellen, denn wie gesagt, muss man bei jedem Fall individuell entscheiden. Die Sachlage ist z. B. anders je nach dem, ob es sich um ein Verbrechen oder ein Unglück handelt.

Sie stützen auch die Aussage von Ralph Grosse-Bley, wonach "Blick" die Zeitung nicht für den Presserat macht (vgl. medienwoche.ch).

Ja, natürlich. Denn: Wo kämen wir hin, wenn der Blick nur noch eine so grosse Auflage hätte, wie der Presserat Mitglieder? (lacht) Dann gäbe es das Ringier-Pressehaus nicht mehr.

Sie haben Anfang Jahr das Beratungsunternehmen OC&C beauftragt, Sparpotential zu eruieren. Gibt es bereits Ergebnisse?

Das Mandat von OC&C zielte nicht nur darauf ab, Sparpotential, sondern vielmehr auch Wachstumspotential zu eruieren. Es geht uns nicht primär nur ums Sparpotential. Sondern wir wollen herausfinden, wie wir uns verbessern können. Gestern Montag hat OC&C die Ergebnisse vorgestellt. Es handelt sich um eine Grundsatzanalyse auf deren Basis wir nun weiterarbeiten. Das Mandat von OC&C wurde damit von CEO Marc Walder beendet.

Wachsen bedeutet aber meist Optimieren, also auch Sparen.

Ja, das ist heute einfach so. Die Internetwelt funktioniert anders, als die frühere Welt. Wir müssen uns diesen neuen Strukturen anpassen.

Tamedia-CEO Martin Kall sagte kürzlich, dass sich die Medienbranche auf ähnliche Rationalisierungsschritte einstellen muss, wie sie z.B. das Banking oder die Computerindustrie schon lange erlebten (vgl. persoenlich.com). Sie sehen das auch so.

Ja, das ist eindeutig so. Die Medienindustrie war über Jahre sehr verwöhnt. Jetzt müssen wir uns umstellen.

Doch Journalismus braucht Raum für Recherche und Kreativität.

Absolut, das ist das A und O! Deshalb konzentrieren wir uns bei unserer Neuorganisation auch viel weniger auf die Verkaufsabteilungen oder auf die Journalisten, sondern viel mehr auf das Management und auf die Administration. Ich kann Ihnen keine weiteren Details darüber geben, wo genau gespart wird. Aber es ist klar: Im Backoffice und bei Stabstellen müssen wir sehr viel verändern.

Wenn Sie nun aufs 2012 blicken: Was wird Ringier beschäftigen?

Es wird ein Jahr der Konsolidierung. Wahrscheinlich werden wir keine grossen Akquisitionen tätigen. Doch lassen wir uns überraschen, vielleicht bietet sich doch unerwartet eine gute Gelegenheit.

Inwiefern ist der Einstieg ins TV-Geschäft noch ein Thema?

Das ist für uns immer noch interessant. Nach wie vor suchen wir nach Möglichkeiten. Doch es muss sich ein für uns lukratives Angebot bieten.

Und worin engagieren Sie sich persönlich besonders stark?

Mein persönliches Herzblut ist sicher stärker bei den Inhalten, als bei Struktur- oder Strategiefragen. Daher habe ich neu mit Marc Walder als CEO einen sehr guten Ansprechpartner.

Interview: Edith Hollenstein