Vorangetrieben werden die Online-Aktivitäten von einer Arbeitsgruppe, bestehend aus sieben Deutschschweizer Verlegern. Darunter Beat Lauber von der Freie Presse Holding (FPH), welche die NZZ-Titel "St.Galler Tagblatt" und die "Neue Luzerner Zeitung" vertritt, "Südostschweiz"-Verleger Hanspeter Lebrument, für die Mittelland Zeitung-Gruppe Peter Wanner und Christine Rennhard sowie Thedi Gut, der für die Zürcher Landzeitungen mit dabei ist.
Ursprünglich hatten Verleger eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, um eine gemeinsame Übersichtsseite zu lancieren, welche die Schlagzeilen aller am Online-Netzwerk angeschlossenen Zeitungstitel präsentiert ( persoenlich.com" berichtete). Ähnlich wie bei Google-News sollten verlinkte Textanrisse zu den einzelnen Medienwebsites führen und damit zur Traffic-Steigerung beitragen, ohne dass der amerikanische Internet-Gigant Google involviert ist. Diese Pläne haben die Verleger nun begraben -- um ein ambitionierteres Online-Projekt in die Hand zu nehmen. "Google aggregiert bloss News. Wir aber beabsichtigen ein Portal zu lancieren, welches unsere regionalen und lokalen Inhalte bündelt", sagt der Schaffhauser Verleger Norbert Neininger, der das Online-Projekt leitet.
Dass die Verleger mit einem eigenen Nachrichten- und Community-Portal ins Internet drängen, hat vor allem einen Grund: Im Frühling plant das Medienhaus Tamedia zusammen mit der BZM ein Online-Newsnetzwerk zu lancieren, an welchem die drei grossen Tageszeitungen "Tages-Anzeiger", "Berner Zeitung" und "Basler Zeitung" sowie die Regionalzeitungen "Landbote" und "Thurgauer Zeitung" angeschlossen sind. Um im Online-Markt eine dominierende Rolle zu spielen, wird eine fast 50-köpfigen Redaktion aus dem Boden gestampft. Auf die Offensive der Tamedia wollen nun die Verleger, die nicht mit der Tamedia verbunden sind, zum Gegenschlag ausholen -- mit einem "Meta"-Portal, dessen Schwerpunkt vor allem in der lokalen Berichterstattung liegt.
Geplant ist, dass auf dem noch namenlosen Online-Portal die besten Artikel der angeschlossenen Regionalzeitungen publiziert werden. Eine kleine Kernredaktion, die bloss zwischen 5 und 10 Köpfe umfasst, soll -- unterstützt von den einzelnen Regionalredaktionen -- die Inhalte sammeln und die Angebote portalgerecht aufbereiten. Das Meta-Portal ersetzt die Internet-Auftritte der einzelnen Regionalzeitungen dabei nicht, sondern ergänzt sie.
Wie regionale Zeitungen im Internet ihre Angebote bündeln können, zeigt ein Blick ins Ausland. Allen voran das neue Nachrichten- und Community-Portal "Der Westen, welches der WAZ-Verlag, das zweitgrösste deutsche Verlagshaus Deutschlands, Ende Oktober startete. Das Portal vereint fünf Zeitungen mit einer Gesamtauflage von fast 1 Million, und ist in rund 140 Städten mit über 90 lokalen und regionalen redaktionellen Einheiten präsent. Es bietet neben Artikeln auch Video- und Audiobeiträge, sowie einen Weblog-Bereich.
Welche Zeitungen dem neuen Online-Verbund angeschlossen sein werden, ist noch unklar. "Wir sind kein exklusiver Klub, sondern hoffen, dass möglichst viele Regionalzeitungen sich dem Verbund anschliessen", betont Neininger. Dass auch die NZZ selber ihre Inhalte auf dem Portal anbieten wird, ist eher unwahrscheinlich. Die Stärken des Traditionstitels liegen bekanntlich in der überregionalen Berichterstattung. Allerdings will man an der Falkenstrasse über eine Teilnahme der NZZ am Verbund erst entscheiden, wenn sicher ist, dass das Online-Projekt definitiv umgesetzt wird. Weit interessanter ist das Portal dagegen für die Regionalzeitungen. Sie wollen im Internet -- wenn auch mit bescheidenen personellen Ressourcen -- bereits im kommenden Frühling eine übergreifende Front gegen die Tamedia eröffnen.
(Text: David Vonplon)