08.01.2013

SRG

Verleger wollen Internet-Offensive stoppen

Ton wird harscher.

Die Auseinandersetzung zwischen den Schweizer Verlegern und der SRG um Angebote im Internet verschärft sich. Der per Anfang 2013 neu gestaltete Online-Auftritt der SRG-Sender müsse rückgängig gemacht werden, forderte Verlegerpräsident Hanspeter Lebrument. Die langen Texte auf den Online-Portalen der SRG-Sender seien durch kürzere Nachrichten zu ersetzen, verlangte Lebrument am Dienstag anlässlich der Dreikönigstagung des Verbandes Schweizer Medien in Zürich vor knapp 300 Vertretern der Branche. Die SRG-Portale sollten ihre audiovisuellen Angebote in den Vordergrund rücken.

Keine Tricks

"Der Vormarsch der SRG im Internet muss gestoppt werden. Die Verleger müssen verhindern, dass die Sender des öffentlich-rechtlichen Radio und Fernsehens mit allerlei Tricks versuchen, ein Nachrichtenportal zu betreiben", sagte Lebrument. Das gelte auch für die anhaltenden Bestrebungen der SRG, bezahlte Werbung auf ihren Portalen zu platzieren. Der Bundesrat hatte der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG) Mitte September 2012 Werbung auf Internet-Portalen vorerst verboten. Im Gegenzug hatte es die Landesregierung der SRG erlaubt, die Internet-Seiten publizistisch auszubauen. Zuvor hatten die SRG und die privaten Verleger in zweijährigen Gesprächen keine Lösung gefunden.

Miserables Verhältnis

"Zwischen der SRG und den privaten Verlegern herrscht ein eigentlicher Krieg", sagte Lebrument. Das Verhältnis zwischen den beiden Gruppen sei noch nie so schlecht gewesen wie heute. Zu Zeiten von Leo Schürmann und Antonio Riva sei die SRG noch auf Ausgleich bedacht gewesen. Das sei Vergangenheit. Die SRG sei heute auf Konfrontationskurs. Der Verband Schweizer Medien habe eine Task-Force eingesetzt, die sich schwerpunktmässig mit Problemen rund um die SRG beschäftige. Das Ziel sei es, den Ausbau der SRG auf allen Ebenen zu stoppen. Lebrument liess durchblicken, dass die Verleger auf politischer Ebene ihr Gewicht in die Waagschale werfen werden, um dieses Ziel zu erreichen.

Das eidgenössische Parlament wird sich demnächst mit Änderungen der Konzession für Radio und Fernsehen sowie mit einer Teilrevision des Radio- und Fernsehgesetzes (RTVG) befassen. Dabei geht es auch um die Radio- und Fernsehabgabe für alle, inklusive Unternehmen. Die Verleger befürchten, dass Firmen dadurch weniger Geld für Werbung ausgeben. Trotz des Zwists mit der SRG zeigte Lebrument Gesprächsbereitschaft: "Wir reden miteinander, auch wenn der Ton harscher geworden ist."

Düstere Prognose

Ein düsteres Bild zeichnete der Verlegerpräsident vom Umfeld, in dem sich die privaten Anbieter von Presseprodukten derzeit befinden. Das Jahr 2012 sei für viele Verlage unbefriedigend verlaufen. Kleinere Verlage stellten sich die Frage, ob ein weiteres schlechtes Jahr noch verkraftbar sei. Ein Schulterschluss mit einem der grossen Player werde ernsthafter geprüft als auch schon. Die Prognosen für 2013 böten wenig Hoffnung. (sda)



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