Die SRG und das zuletzt unter Publikumsschwund leidende Verlegerfernsehen erneuern ihre Zusammenarbeit. Statt der fixen Programmblöcke am Samstag- und Sonntagabend werden die Sendungen von Presse-TV (P-TV) ab 1. Januar 2009 zielgruppengerechter auf das Programmraster des Schweizer Fernsehens verteilt -- einzelne Sendungen werden auch auf SF 1 ausgestrahlt. Die Formate "Konsum-TV", "Fussballtalk" und "100 Minuten" werden dagegen aus dem Programm gekippt.
Die neu geregelte Zusammenarbeit erlaubt es dem Schweizer Fernsehen, ihre zielgruppenspezifische Programmierung voranzutreiben. TV-Direktorin Ingrid Deltenre kann nun vor allem am publikumsstärksten Tag der Woche, dem Sonntag, eine komplementäre Programmierung realisieren. Auf der einen Seite setzt SF 1 konsequent auf Schweizer Eigenproduktionen -- also einheimische Spiel- und Fernsehfilme sowie grosse Show-Events wie "MusicStar" und "Die grössten Schweizer Hits". Auf der anderen Seite zeigt SF zwei künftig bewusst gegensätzliche Programme. Will heissen: Spielfilme, Serien und Sport. Für das Verlegerfernsehen hat die neue Programmierung den Vorteil, dass es sich nicht mehr wie bisher der starken Konkurrenz am Sonntag aussetzen muss, der es ohnehin nicht gewachsen war.
Konkret hat dies zur Folge, dass das Schweizer Fernsehen ab kommendem Jahr am Sonntag statt der P-TV-Formate das "Sportpanorama" auf SF zwei ausstrahlt, ab 20 Uhr folgen ausländische Serien. Einzig "Cash-TV" und die "tcs Motorshow" behalten am Sonntagabend ihren Sendeplatz. "NZZ Format" und "NZZ Swiss Made" werden ins Nachtprogramm am Donnerstag verschoben. Das erfolglose Format "Konsum TV" verschwindet aus dem Programmraster und wird eingestellt -- womit bei RingierTV fünf Arbeitsplätze verloren gehen. Das selbe Schicksal erleidet auch der "Fussballtalk" -- die Sendung konnte sich gegenüber der starken Sport-Konkurrenz des Schweizer Fernsehens nie etablieren.
Der frühere Publikumsmagnet "Gesundheit Sprechstunde" wird künftig jede Woche am Samstag um 18.10 auf SF 1 ausgestrahlt -- der Sendung werden jedoch statt wie bisher einer Stunde nur noch 25 Minuten eingeräumt. Zur gleichen Zeit am Sonntag ist zudem eine weitere Sendung geplant, welche das Schweizer Fernsehen gemeinsam mit P-TV produzieren will. Nähere Angaben zu Sendung wollten an einer Pressekonferenz am Donnerstag allerdings weder Ingrid Deltenre noch P-TV-Geschäftsführer Fibo Deutsch machen. Noch sei vieles offen. Sicher ist dagegen, dass die People-Sendung "g&g weekend" künftig statt wie bisher am Samstag neu am Sonntag ausgestrahlt wird.
Die längst fällige Neuregelung haben die Sendeverantwortlichen der SRG und der Verleger in die Hand genommen, weil Ende Jahr der bisherige Zusammenarbeitsvertrag zwischen P-TV und der SRG ausläuft. Basis für die Verhandlungen war die neue Konzession der SRG. Zu einer Zusammenarbeit mit den Verlegern explizit verpflichtet ist die öffentlich-rechtliche Sendeanstalt nicht: Artikel 19 der Konzession schreibt lediglich vor, die Zusammenarbeit weiterzuführen, wenn damit die Angebotsvielfalt vergrössert werden kann und ihr keine zusätzlichen Kosten entstehen.
An der Pressekonferenz am Donnerstag wurden indessen beide Seiten nicht müde, die Vorteile herauszustreichen, die sich aus einer Weiterführung der Zusammenarbeit ergeben. "Dem Schweizer Fernsehen liegt viel daran durch eine flexible Zusammenarbeit mit P-TV den Wettbwerb in Konzeption, Entwicklung und Produktion von Fernsehsendungen in der Schweiz zu erhöhen", erklärte Deltenre. Und P-TV-Geschäftsführer Fibo Deutsch betonte, dass von der neuen Programmierung vor allem das Publikum profitiere -- weise es doch gegenüber dem bisherigen "zementierten Ghetto" klare Vorteile auf.
Der neue Vertrag auferlegt P-TV allerdings auch Pflichten: So bestehen von Seiten SF klare Vorgaben an die Qualität der Sendungen -- insbesondere fordert man am Leutschenbach eine angemessene Kommerzialisierung der P-TV-Formate. Zum anderen müssen die Programme Quotenvorgaben erfüllen. Die Verantwortlichen des Verlegerfernsehens stehen damit unter Druck. Sie können tiefe Einschaltquoten künftig nicht mehr mit Verweis auf den ungeeigneten Sendeplatz rechtfertigen. "Wir gehen davon aus, dass alle Sendungen künftig einen höheren Marktanteil erreichen als bisher", erklärte denn auch Deutsch.
Vertraglich festgelegt ist weiter, dass die SRG uneingeschränkte Nutzungsrechte an den Formaten besitzt. Mehrfachausstrahlungen sind nur auf SRG-Sendern erlaubt -- eine Mehrfachverwertung der Inhalte auf den privaten Lokalsendern verbietet die SRG aus Überlegungen der Markenführung grundsätzlich. Vermarktet werden die Sendungen von der publisuisse -- die Vereinbarung sieht vor, dass den Verlegern jeweils jährlich eine fixe Werbepauschale ausgehändigt wird. Liegen die Einschaltquoten, respektive die Werbeeträge, der Sendungen über den Erwartungen der SRG, werden diese nach oben angepasst.
(Text: David Vonplon)