Gruner + Jahr, der grösste Zeitschriftenkonzern Europas, ist im letzten Jahr erstmals in die roten Zahlen gerutscht: Wie auf der Bilanz-Pressekonferenz des Mutterkonzerns Bertelsmann bekannt wurde, weist G+J unterm Strich einen Fehlbetrag von 18 Millionen Euro aus. Ansonsten rettet sich das Verlagshaus mit striktem Sparkurs in ein operatives Plus: Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) lag bei 203 Millionen Euro nach 225 Millionen Euro im Vorjahr. Die Umsätze gingen um 9,4 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro zurück.
Vor allem die Werbeflaute ist schuld: Binnen Jahresfrist verringerten sich die Werbeerlöse um annähernd ein Fünftel (19 Prozent) auf 772 Mio Euro. Die Vertriebserlöse erwiesen sich im Vergleich als stabil: Sie sanken um knapp 5 Prozent auf 811 Millionen Euro. Gruner+Jahr habe weit über 200 Mio Euro eingespart und damit rund ein Fünftel der vom Mutterhaus Bertelsmann geforderten Mrd für den Gesamtkonzern realisiert bei G+J seien die Kosten demnach fast proportional zum Umsatz gesunken.
Mit einem "Mix aus kurzfristigen Kostensenkungs- und langfristigen Strukturmaßnahmen" habe das Haus das Anzeigenminus auffangen können. Dank dem Sparprogramm hat das Unternehmen in der zweiten Jahreshälfte ein operatives Ergebnis von 148 Millionen Euro erwirtschaftet, im Vergleich zu 55 Millionen Euro in den ersten sechs Monaten. Weitere Kostensenkungen würden zudem erst 2010 wirken, so G+J-Finanzchef Achim Twardy. "Wir erwarten eine Stabilisierung von Umsätzen und operativem Ergebnis und damit wieder einen angemessenen Gewinn im angelaufenen Geschäftsjahr."
Hintergrund für das erstmalig negative Endergebnis seien Sondereffekte, ausserplanmässige Abschreibungen und der kostspielige Umbau. G+J hat im vergangenen Jahr etwa beim Vermarkter Gruner+Jahr Media Sales oder der G+J Wirtschaftspresse durchgegriffen, deren Umstrukturierung schon 2008 angestossen wurde. Dem Sparzwang fiel 2009 auch die hauseigene Strategieabteilgung New Media Ventures zum Opfer. (kress)