"So arbeiten Journalisten fair": Der Schweizer Presserat stellt am Freitag in Bellinzona einen neuen Ratgeber zum Thema Ethik in dem Medien vor. Das gut 200-seitige Buch gibt Antworten auf grundlegende Themen des Metiers vom Recherchieren bis zur Unabhängigkeit. Verfasst haben das auch im Internet oder über iPhone- und oder Android- Applikationen verfügbare Werk Peter Studer, alt-Präsident des Presserats sowie Ex-Chefredaktor bei "Tages-Anzeiger" und Schweizer Fernsehen, und Martin Künzi, Presserats-Sekretär und Rechtsanwalt.
Die beiden Autoren leuchten grundlegende Probleme des journalistischen Alltags aus und weisen auf die Grundsätze aus dem Journalistenkodex und den Richtlinien hin. Dies geschieht anhand einer Checkliste mit insgesamt 67 Punkten. Darin verneinen die Autoren etwa die Frage, ob ein Journalist eine öffentliche Funktion ausüben soll, nicht von Vornherein. Im konkreten Fall des neu gewählten SVP-Nationalrats und "Weltwoche"-Redaktors Peter Keller scheint ihnen das zulässig, da dessen Blatt weltanschaulich einer gewissen Denkweise nahesteht. Eine klare Selbstdeklaration halten sie dennoch für unverzichtbar. Grundsätzlich lehnen sie aber öffentliche Funktionen für Journalisten ab.
Genaues Abwägen bei verdeckten Recherchen
Bei verdeckten Recherchen - jüngst rügte der Presserat die Zeitung "20 minutes" deswegen - raten die Autoren zu grösster Zurückhaltung und genauester Abwägung. Überwiegt das öffentliche Interesse, ist sie zulässig, wenn ein offene Recherche den Journalisten gefährden würde. Zudem ist dem Persönlichkeitsschutz Rechnung zu tragen. Bei informellen Interviews muss dem Befragten klar sein, dass er eine Autorisierung seiner Antworten verlangen kann. Bei formellen Interviews ist dem Gesprächspartner der Text zum Autorisieren vorzulegen, heisst es in dem Buch weiter. Einigen sich die beiden Seiten nicht, können Journalisten auf eine Publikation verzichten und den Vorgang indirekt transparent machen.
Fingerspitzengefühl notwendig, besonders bei Suizid
Bei Suizid - seit den "Leiden des jungen Werther" (Johann Wolfgang von Goethe) eines der heikelsten Themen in den Medien - raten die Autoren zu grösstem Fingerspitzengefühl. Eine Berichterstattung kommt nur unter bestimmten Voraussetzungen in Frage, etwa bei Prominenz, öffentlichem Aufsehen oder öffentlichem Demonstrationscharakter. Neben seinem praktischen Teil mit der Checkliste enthält das Buch auch Hinweise zum Presserat, den Journalistenkodex sowie Erläuterungen dazu.
Hinweis zur Publikation: "So arbeiten Journalisten fair", Peter Studer und Martin Künzi, 196 Seiten, 20 Franken. Bezugsquelle: Schweizer Presserat, Postfach 201, 3800 Interlaken. (sda)